I. Petrarca'« Kampf im Sinne der Aufklärung.
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und drängt, wie das Verlangen in mir glüht zu lehren und weit-läufig darüber zu sprechen!"')
Ja dieses glühende Verlangen, dieses rastlose Anstreben ist es,was uns Petrarca's Geist auf seinem Höhepunkte zeigt. Aber woer es nun wirklich unternimmt, diese höchste Lehre, die mit soahnungsreichem Dränge an seine Brust pochte, im näheren auszu-sprechen und zu begründen, geräth er entweder ins Stocken oder erverfällt seiner redseligen Eitelkeit. Doch zeigen wir ihn zunächst inseinem Kampfe gegen die einzelnen Disciplinen, die ihm aus denHochschulen oder in der Achtung der Menschen als die vornehmstenentgegentraten. Er hat sich hier freilich mehr polemisch als refor-matorisch verhalten, er hat scharf, bitter und einseitig geurtheilt, aberbedenken wir, daß überall erst der unbrauchbare Schutt fortgeschafftwerden muß, ehe an den neuen Bau die Hand gelegt werden kann,daß immer erst die Skeptik die Mutter der selbständigen Forschungist und daß ein einzelner Mensch wohl als Erneuerer der Wissen-schaft, nicht aber aller einzelnen Wissenschaften auftreten kann. JenenKamps hat Petrarca nicht immer in einzelnen, mit absichtlicherTendenz angreifenden Schriften geführt, er zieht sich vielmehr durchalle seine Werke; zumal seine Tractate und seine Briefe werden durchdiesen unaufhörlichen Kleinkrieg belebt. Wir sehen auch hier, wie esihn reizt und treibt, wie er mit ernsthaftem Angriff und mit ver-achtender Stichelei, mit lächelndem Scherz und mit trinmphirendenSchmähungen immer demselben Ziele zusteuert.
Zunächst und vor allen zieht er vor seine Schranke die Astrolo-gen, Alchymisten und alle die betrogenen Betrüger, welche durch ihreKünste das zukünftige Schicksal der Menschen zu ergründen oder derNatur ihre Geheimnisse abzulauschen vorgeben. Vielleicht sind wirversucht, über die unermüdliche Wiederkehr der Ausfälle zu lächeln,die er gegen sie richtet, und freilich sind es für uns Gemeinplätze,die er vorbringt. Aber er sprach sie zu einer Zeit aus, wo der Hof-astrologe zu den angesehensten Gelehrten zählte, wo in Bologna undPadua besondere Lehrstühle für diese Wissenschaft errichtet waren,wo die Kirche es noch nicht wagte, die morgenländische Thaumatologie,welche durch die Berührungen mit dem Orient in Wissenschaft und
y Lpist. rsr. lawil. XVI, 14. Ein Theil der obigen Worte erinnert lebhaftan die des Augustinus (Oonksss. I,ib. I. oap. 18. 19).