IV. Mailand. Die Visconti.
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über die Jahrzehnte hinaus, deren Schilderung uns hier obliegt. DerHerzog von Calabrien war in der gelehrten Hofumgebung, alsSchüler Valla's und Beeeadelli's aufgewachsen, er hatte von ihnenoft genug gehört, wie ein Fürst den schönsten Ruhm erlange, wenner die Wissenschaft und ihre Pfleger schütze. So setzte er als Königseines Vaters Weise fort. Beceadelli blieb im Genuß seiner Ein-künfte und Ehren, nicht minder Manetti. Neue Sterne tauchten aus.Doch führen Gioviano Pontano, das Haupt der neapolitanischenDichter- und Philosophenakademie, Konstantinos Laskaris und Pan-dolfo Collenuceio schon in jene spätere Periode hinüber, in welcherder antike Geist bereits ein triumphirender, nicht mehr ein sich her-vorarbeitender ist.
In Mailand herrschten die Viseonti, eine Familie, in der sichviele jener unheimlichen Züge von Wollust, Herzlosigkeit und Tyrannen-laune wiederfinden, durch welche dem Psychologen die Charaktere derberüchtigten Cäsaren Mischen Geschlechtes zu so grausigen Räthselnwerden. Hier hatte zuerst ein Tyrann wie der gewaltige ErzbischofGiovanni Visconti, der Gründer der Macht des Hauses, das Be-dürfniß gefühlt, die Gehässigkeit der Tyrannis und einer tückischenEroberungspolitik durch kirchliche Gründungen und durch einen Musen-hof zu mildern. Diesen und den Tyrannendienst hatte Petrarcageweiht, indem er seine philosophische Hoheit einem behaglichen Da-sein als Höfling zum Opfer brachte. Mit welchen Wendungen erdas auch beschönigen mochte, sein achtjähriger Aufenthalt in Mailandgab doch den zahlreichen Hofpoeten und Hosrednern späterer Zeitendas Beispiel. Aber er hat hier auch den Musen die Stätte gegründet,wie ja seine Person, der bloße Zauber seines Namens überall Be-wunderer und Nachstrebende erweckte. Der dem Erzbischos 1354 dieGrabschrift in Hexametern dichtete, war Gabrielle Zamoreo vonParma, ein Anwalt und Doctor der Rechte, längst ein glühenderVerehrer Petrarca's, der in dessen musischen Künsten die Wiederkehrdes saturnischen Reiches zu fühlen meinte?)
Recht der Typus des Tyrannen war Giangaleazzo, der vonder Burg von Pavia aus seine überfeinen Ränke spann, die Nach-
y S. obm S. 151. Die Grabschrift bei Werunsky der erste RömerzugKaiser Karl IV S. 10.