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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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IV. Antonio da Rho.

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die Freiheit für kühne Aeußerungen, wie Valla in seinen Gesprächenüber die Lust, und zugleich darf er aus fremdem Munde neben Au-gustinus und den Scholastikern auch Cicero und Seneca, Livins undDemosthenes mitreden lassen, ohne seinen mönchischen Charakter bloß-zustellen. Zwar im Lobe der gefeilten und beredten Sprache deschristlichen Cicero stimmen die Dialogisten überein, aber es wirddoch auch die Ansicht vertreten, er lebe ganz in seinen Redeblumenund lasse sich in allem gehen, was ihm nur Gelegenheit zu glän-zenden Worten gewähre. Endlich wird er mit dem ganzen Rüstzeugeder Scholastik und Dogmatik angegriffen, eine lange Reihe von Ab-weichungen und Irrthümern wird seinenGöttlichen Institutionen"vorgerückt?) Bekanntlich ist Lactantius von der Kirche niemals fürsauber gehalten worden. Aber seine ketzerischen Neigungen warenihm doch vergessen, und auch Männer der Kirche stießen sich damalsan den schonungslosen Angriffen gegen einen großen Namen deskirchlichen Alterthums. Vollends die Humanisten, die ihn geradezuals einen Liebling erkoren. Bruder Adamo von Genua richtete bittereEpigramme gegen den thörichten Mailänder, der eines derfrommenLichter der heiligen Kirche" verlästert?) Filelso wollte ihm in allerFreundschaft nicht verhehlen, daß es eine Verrücktheit sei, gegen einenso gelehrten und beredten Schriftsteller in dieser frechen Weise los-zufahren?) Es war bereits bedenklicher, Lactantius seine Irrthümerim Dogma als Hieronymus seine Fehler im heiligen Texte vorzu-werfen oder sich über Duns und Lyra lustig zu machen, peinlicher,die humanistischen Wortführer als die Inquisition gereizt zu haben.

In einem anderen Werke zeigte sich Bruder Antonio ausschließ-lich als Grammatiker und Rhetor. Er nannte es cks imitations,es verfolgte aber, soviel wir sehen, denselben Zweck wie Valla's Ele-gantien?) Es ist nicht einmal -zu entscheiden, welches Werk früher

y Die ganze Präfatio und größere Auszüge aus I'rLtris 4.ntonii kauäsn-8i8 äs I^netantii srrntw OinIoAi trs8 theilte 6. §. II. Leck OiWsrt. inauA. cts

OroÄi IoirtiI>u8-st nlin äs 4Monii kanäensis aliguo Spore insäito, Llar-

bui-Ai 1832, aus pariser Handschriften mit.

2) Bei Lanärnius 81bl. Iwop. I,aurvnt. 1. I p. 44. Die Distichen werdenauch in den Badulas ooää. M8. dibl. Vinäob. vol. II p. 138 notirt.

3) Filelfo's Brief an Antonio vom 30. December 1443. Dieser Brief läßtzugleich die Absassungszeit des Werkes erkennen.

<) Da es ungedruckt geblieben, kennen wir es nur aus Valla's In errors8^.ntonil kLuäsn8i8 ^änotations8, die oft mit den Elegantien, auch in den Opp.

Voigt, Humanismus. 2. Aufl. I. 33