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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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IV. Beccadelli und Herzog Filippo.

erschienen. Doch möchten wir dem Mailänder die Priorität zuer-kennen, da Valla in Betreff einer Specialregel, die er früher ge-sunden haben wiü, nicht auf seine Elegantien verweist, sondern denRivalen beschuldigt, sie von einem seiner Zuhörer aufgefangen zuhaben. Die beiden hatten einst in Mailand freundliche Bekanntschaftgemacht. Valla hatte dem gelehrten Minoriten bei der zweiten Be-arbeitung seiner Dialoge vom wahren Gut die Rolle des Schieds-richters zugetheilt und ihn mit Jsokrates verglichen?) Es war nundoch kleinliche Eifersucht und ein Stück von der streitlustigen Pedan-terie der Grammatiker, wenn er ihm jetzt alle Befähigung absprachüber Eloquenz zu schreiben, und mit allerlei Haarspaltereien nachFehlerchen suchte. Aber seine Jnvective und seine Elegantien habendas Buch des Mailänders, vielleicht unverdient ins Dunkel gedrängt.

Trotz den Grammatikern und Lehrmeistern fehlte es am Hosedes Herzogs Filippo immer noch an einem rechten Schöngeist, einemDichter und Geschichtschreiber, der für Ruhm und Ewigkeit gesorgthätte. Diese Lücke ersah Beccadelli, der lebenslustige Dichter desHermaphroditus, wohl noch von Siena her. Er trug sich dem Fürstenan, gab sich als einen Bewunderer seinersäst göttlichen" Tugendenzu erkennen, berief sich auf den Dienst, in dem schon seine Ahnenbei den Visconti gestanden, trug dem Herzog das Evangelium vonder Unsterblichkeit vor, die nur durch den Dichter erlangt werde?)Gegen die Räthe des Herzogs, Francesco Barbavara und Luigi Crotto,sprach er sich schon deutlicher aus, in welcher Art ersich und seineMusen" ihm hinzugeben wünsche. Er hoffte nämlich durch ein Ge-halt verpflichtet zu werden, aber dabei die himmlische Gabe der Frei-heit zu genießen?) Also sorgenfreier Hofdichter zu werden war seinSinn, den Herzog zu verehren, zu umschmeicheln und gelegentlich zubesingen, nicht aber in der Kanzlei zu arbeiten oder zu schulmeistern.Des Herzogs Antwort war gnädig und aussichtsvoll: er äußertegroße Sehnsucht, den beredten Dichter zu sehen und zu hören; er

p. 390 ssg. gedruckt sind. In der Pariser Handschrift, die Leck I. e. p. 9 notirt,scheint es den Titel vretionarinw <Is vIsZantiis latinss linxnas zu führen, deraber nicht der richtige ist.

1) irr tracksnäa oratoria arte waxiro illa Isoerati eomparanüns.

2) S. oben S. 485.

3) Insssns wiki salarruw kusrit libsrtas, eoelssto vsrs wunns st inasstirna,-

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