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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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IV. Herzog Francesco. Cicco Simonetta.

Was kümmerten ihn, den Soldaten, die Klassiker, die Verse und dielateinische Eleganz? Selbst wer seiner Bildung allen Ruhm gebenwollte, konnte ihm nicht mehr nachsagen, als daß er eine natürliche,soldatenhafte Beredsamkeit besessen.') Auch war er nicht der Mann,um den Tönen der bezahlten Schmeichelei mit wollüstiger Eitelkeitzu lauschen. Aber er war der Emporkömmling, den die öffentlicheMeinung hielt und trug, sein Vater hatte den Karst geführt, er warein Bastard und seine Gemahlin, auf welche seine Dynastie einenSchatten der Legitimität gründete, eine Bastardtochter des letztenVisconti. Um durch neue Kriegsthaten den mühsam errungenenLohn der alten zu gefährden, war er zu überlegt. Selbst ein glän-zender Hof war für den Anfang unmöglich, denn an Geldkräftenvöllig erschöpft wurde er Herr über die erschöpfte Republik. Er-pressungen konnte er sich auch nicht erlauben. So war es immernoch das gelegenste Mittel, um vor seinen Unterthanen und den Nach-barmächten den Schimmer zu entfalten, den eine neue Dynastie nichtentbehren kann, wenn er die Posaune des Ruhmes in Sold nahm,sich aus poetischen und rhetorischen Flicken einen antiken Heldenmantelfertigen ließ und wenigstens in der Weihrauchwolke als ein groß-artiger Augustus erschien. Keiner seiner Zeitgenossen hat so nüchternund staatsklug die Wirkung geistiger und moralischer Kräfte zu be-rechnen gewußt. Er erscheint als eifriger Freund der Kunst und Wissen-schaft, ohne von dem Vergnügen und der Bildung, die sie bringen,eine Ahnung zu haben.

Eine Stellung eigener Art nahm am sforzeschischen Hofe derCalabrese Cicco (d. i. Francesco) Simonetta ein, er wurde imAmt eines Sekretärs und Rathes der Mäcenas bei dem neuenAugustus oder ungefähr was Niccoli bei Cosimo de' Medici war.Da der Herzog selbst sich in literarischen Dingen kein Urtheil bei-legen konnte, bedurfte er eines Vertrauten, der auf diesem Gebieteheimisch war. Ihm ist manches Werk'gewidmet worden, Decembrioübersandte ihm der damals üblichen Höflichkeit gemäß seine Arbeitenzur Prüfung und Correctur, bevor er sie veröffentlichte, selbst Ueber-

y Liwonots, I. o. In einem Briefe von 1477 bei Uosmini 4. II p. 329gesteht Filelfo offen: Lt Init sano Uranoisous Kpdortis, gnam plnriwis insiAnisvirtutibus, osvtsi'um littsraturas urbanroris st mnsarnm lAnarus. ?ins II 6ow-wentar. z>. 83 sagt, daß er auf dem mantuanischen Congreß wilitari slognsrUicrst verbis patriis gesprochen.