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IV. Decembrio.
kretär gedient und war ein alter Mann geworden. In die Kanzleiaber trat er zu Mailand nicht wieder ein, er lehrte vielmehr Latei-nisch und Griechisch, freilich unter Klagen, daß das Glück ihm nichtmehr lächeln wollte wie bei Filippo Maria.') Auch wurden seineletzten Jahre dadurch verbittert, daß er nun wieder mit seinem altenFeinde Filelfo zusammentraf. Sie begannen sofort zu rivalisirenund schmähungsreiche Jnvectiven gegen einander loszulassen?) De-cembrio fühlte sich zum Geschichtschreiber der neuen Dynastie be-rufen. Das Charakterbild Filippo Maria's durste er nun mit er-schreckender Wahrheit zeichnen; das war zugleich eine Rechtfertigungseiner eigenen Stellung während der Republik. Desto glänzenderhob er die Waffenthaten Sforza's heraus, pries seine Großherzigkeitund Güte, sein Glück und seine illustre Familie. Anbei fand sichGelegenheit zu einem Stiche gegen diejenigen, welche so herrlicheThaten durch einige Verslein verewigen zu können glaubten,") alsogegen des verhaßten Filelfo Sforziade. Weil aber der Herzog undder Hof den höchsten Nachruhm immer noch von diesem Virgilius zuerwarten schienen, entschloß sich auch der alte Decembrio, die Museanzurufen und das Lob seines Herrn gleichfalls in Hexametern zusingen. Er hatte schon über 500 Verse fertig, aber mochte er er-matten oder der Tod dazwischentreten, das Epos hat nie das Lichtder Welt erblickt?) Er ist am 12. November 147? gestorben, im78. Lebensjahre. Das Bild auf seinem Marmorgrab im MailänderDom zeigte ihn, wie er vom Katheder aus die Jugend lehrt. Somochte er damals im Andenken stehen. Aber die Grabinschrift ver-kündete auch, daß er der Nachwelt über 127 Bücher hinterlassen, dieer geschrieben und wobei die in der Volkssprache verfaßten nicht ein-mal mitgerechnet worden. Es waren philosophische und geschichtlicheWerke, kosmographische und antiquarische, grammatische und commen-tirende, Uebersetzungen aus dem Griechischen und Streitschriften, Brief-sammlungen und Reden, Dichtungen verschiedener Art. Er selbstrechnete sie kaum mehr nach Einheiten. Um 1461 hatte er bereits84 Bücher geschrieben, die neun Bände füllten; damals hoffte er noch
y Sein Brief an den herzoglichen Sekretär Tranchedino bei NittsrsIIip. 875.
2) Filelfo's Brief an Cicco Simonetta vom 25. Februar 1461.
0 Deoemdrins Vita Vrane. Lkortias cap. 3 ap. Nnratori Loriptt. 7?. XX.y Sein Brief an Cicco Simonetta bei Laxlus p. 177.