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IV. Die Gvnzaga in Mantua
unverschämter als bescheidener wurde, ging doch sein Ruhm merklichaus die Neige. Im Spätherbste seines Lebens, als er aus drei Eheneinen großen Haufen von Kindern um sich sah, stellten sich Noth undSorge, mit denen er sonst gespielt, bisweilen in ganzer Bitterkeitein, er wurde nach dem Tode des Herzogs Francesco wieder heimath-los und mußte umherziehen wie in den Tagen seiner Jugend. Dasuchte er vergebens in Rom und Bologna, in Siena und Pavia einUnterkommen aus die Dauer. Als Greis von 83 Jahren schätzte ersich glücklich, noch einmal 1481 als Lehrer des Griechischen nachFlorenz gerufen zu werden, starb aber hier bald nach seiner Ankunftam 31. Juli in ärmlichen Umständen, hier wo er vor 42 Jahren alsliterarischer Triumphator eingezogen war.
Wir haben uns nun zu den kleineren Höfen und Dynasten zuwenden, die den Herrschern von Neapel und Mailand als Mäcenenachstrebten, ja sie im Vergleich mit ihren engeren Verhältnissen wohlüberflügelten. Hier stellt sich denn, eben weil alles durchschanlicher- ist, die Richtung und Liebhaberei des Zeitalters noch deutlicher heraus.
Wie wenig bedeuten an sich die Gonzaga von Mantu«, und waswürde die Weltgeschichte von Gian Francesco II zu erzählen haben,der sein Geschlecht vorn Range bloßer Signori zum markgräflichenerhob! An seinen Namen aber knüpft sich das erste moderne Gym-nasium, bei ihm lebte und wirkte Vittorino, der große Schulmeister,der jene Musteranstalt gründete und leitete, der die Lateinschule mitdem Hauche des Alterthums neu belebte, der nie ein Buch oder eineAbhandlung geschrieben und dessen Name doch in ganz Italien unddarüber hinaus mit allgemeiner Verehrung genannt wurde. Vielleichtwar er der einzige unter den Häuptern des Humanismus, der nieeinen Feind gehabt, nie einen Verkleinerer seines Verdienstes ge-funden, den der krittelnde Niccoli und der neidische Filelfo nur zuloben wußten?)
y Ambras. 1'rs.vers. epist. VIII, 2. Filelfo's Brief an Cato Saccovom 28. September 1440. — Mehrere Schüler Vittorino's haben sein Leben odersei» Elogium geschrieben. Voran und noch zu des Meisters Lebzeiten Sassuoloda Prato, der sechs Jahre lang in der Anstalt war und von dem ich im Textenäheres berichte. Seine Schilderung in Briefform bei Ilartsno et vurnnäOolisct. rrmpliss. T. III p. 841 ssg. Der zweite ist Francesco de' Castiglione,