Buch 
Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
JPEG-Download
 

538

IV. Vittorino da Feltre.

nichts übrig, als selber den Eukleides zur Hand zu nehmen und sichso weit zu fördern, daß er später darin zu lehren vermochte. Dabeiwar er auch den Dingen nicht abgeneigt, in denen sich die Kraftund Munterkeit der Jünglingsjahre Luft macht. Er übte sich mitGenossen im Laufen, Springen und Speerwerfen, er besang seineGeliebte in lateinischen und tuscischen Versen.

Das reifere Alter führte ihn nach Venedig, wo er sich zwischen1414 und 1418 als Lateinschulmeister zu erhalten suchte, einige vomAdel unterrichtete, aber auch bereits arme Knaben um Gottes willenhinzuzog. Hier traf er mit dem wesentlich älteren Guarino und mitdem jungen Filelfo zusammen. Vom ersteren wurde er ins Grie-chische eingeführt, in dem er sich dann selbst mit Eifer forthalf undeine gediegene Bildung erlangte. Von Padua her aufgefordert, lehrteer wieder daselbst, wie es scheint, um einen kleinen öffentlichen Sold,eine Reihe von Jahren hindurch die Rhetorik und Philosophie.') Hierbegründete er sein Ansehen als hingebender und tüchtiger Lehrer,hier auch traf ihn um 1425 die Berufung nach Mantua.

Es hatte in Mantua auch zuvor am höheren Unterricht nichtganz gefehlt. Schon um 1398 lasen angestellte Magister für dieSöhne der vornehmeren Bürger über Grammatik und Logik, undein Magister Venturino erklärte an den Festtagen den Virgilius,den man hier nie vergessen?) Markgraf Gian Francesco war zwarvor allem eine Soldatennatur und wird von den Geschichtschreibernals Führer von Heeren oft genug erwähnt. Aber auch die Wissen-schaften und Künste standen ihm nahe. Man hat ein Sonett, daser gedichtet haben soll. Wie auch die Geschichte ihm lieb war, zeigtseine Aufforderung an Lionardo Bruni, sich über den Ursprung Man-tua's auszusprechen, woraus dessen bekannte Abhandlung entstand?)Alberti hat ihm die lateinische Bearbeitung seines Buches über dieMalerei dargebracht?) Wie nun die Söhne des Markgrafen heran-wuchsen, sollten sie neben der fürstlichen auch eine lateinisch-gelehrteErziehung genießen. In erster Stelle wandte sich der Gonzaga an

9 S. oben S. 430. 441.

2) vnvnri p. 4.

3) Gedruckt als epist. X, 25 eck. ülelrus mit Widmung an Gianfrancescovom 27. Mai 1418.

i) Die Widmungsepistel in Alberti's Kl. kunsttheoret. Schriften, herausg.von Janitschek S. 254.