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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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IV. Seneca.

eignet zu haben. Er gehörte zu den traurigen Gestalten der Lite-ratur, die ihre Hingabe an die schönen Wissenschaften durch einwechselvolles, heimathloses und armseliges Leben büßen mußten. Alser nach Rimini kam, war er durchaus kein junger Mann mehr, hatteer sich schon viel in der Welt umhergestoßen?) Da er aber einengefeierten Namen nie erwarb, abgesehen von dem klassischen, den derZufall ihm schon in die Wiege gelegt, hören wir von ihm immernur gelegentlich, und man müßte in manchem Archive nachfragen,wollte man sein Wanderleben von Spur zu Spur verfolgen. Wirfanden ihn um 1420 als Lateinschulmeister in Ancona, wo er Ci-riaco in den Virgilius einführte, aber wir hören auch, daß er balddavonzog?) 1431 war er öffentlicher Lehrer der Rhetorik in Bologna,aber auch nur vorübergehend?) Dann zeigt er sich 1434 in Prato,ohne Zweifel wieder als Schulmeister. Aber anbei fristet er seinLeben auch durch Abschreiben klassischer Bücher, wenngleich bemüht,das traurige Handwerk durch einige Zugabe von Gelehrsamkeit undDichtergenins zu adeln?) Ruhm hat ihm das so wenig eingebrachtwie seine Verse. Am bekanntesten noch wurde er dadurch, daß Filelfo,der gegen kleine Geister, die er tief unter sich sah, gutmüthig undliebenswürdig sein konnte, ihn seiner Freundschaft und der Korre-spondenz würdigte?) So lange wie in Rimini hat dieser Senecasonst nirgend geweilt, und so gut mag es ihm früher nie gewordensein. Aber auch hier sollte ihn ein jüngerer, ungleich begabtererDichter ausstechen und den unseligen Greis wieder aus die Wande-rung treiben?)

0 Filelfo bezeichnet ihn im Briefe vom 23. Juni 1462 als über siebzig Jahrealt, er mag also um 1392 geboren sein.

2) LoalLmontius p. 70. S. oben S. 273. Er wird als pasäLAOZus stdonarum littorsrnm prusoeptor bezeichnet, auch als Aeawmatieus insiAnis, washier nicht viel sagen will.

0 Nach den rotuli bei ÜIsInAoIa ^nt. Ilroso p. 59. Damals mag er dasbei 4omn8ivu8 Libl. katav. Llannser. p. 25 notirte Gedicht über einen Sl^ffaus der Stadtgeschichte Bologna's geschrieben haben.

0 Sein Brief an einen Arzt zu Rimini vom 22. Nov. 1434 aus Prato beidem libnllns ree. Laekrsn8, 4ip8. 1878, p. VIII. Verse von diesem Se-neca, die auf einen Aufenthalt in Mailand hindeuten, im OstLloKus eoüä. Ist.bibl. Llonse. N. II k. I p. 31.

0 Vergl. z. B. Filelfo's Brief an ihn vom 17. April 1433.

°) Nach rlalaAvIg, I. e. finden wir Seneca 1458 bis 1462 wieder in Bo-logna, wahrscheinlich verließ er Rimini schon früher.