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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Gelehrtenfehden in Rom.

von Trapezuntios selber angeschlagenen entsprach, führte natürlich zukeiner Sühne. Sie wurde aber auch überflüssig, da Poggio selbstbald darauf Rom verließ.

So viel wir sehen, standen die Italiener alle auf Poggio'sSeite und gegen den Griechen. Selbst Valla mochte mit diesem nichtgemeinschaftliche Sache haben.- Diese Verachtung der Griechen warfast das Einzige, was den italienischen Gelehrten an Nicolaus' Curiegemeinsam war. Wenn Poggio seine Gegner wie Valla und Perottirecht schimpfen wollte, so nannte er sie somigrasculi.

Die Griechen ihrerseits hielten nicht zusammen. Bald gab esunter ihnen Privatfehden, wie die des Georgios gegen Gaza, derseine grammatischen Definitionen öffentlich getadelt, dann aber spal-tete sie der Streit über den Vorzug des Aristoteles oder Platon inzwei Heerlager, die einander unaufhörlich und weit über die ZeitNicolaus' V hinaus befeindeten. Gemistos Plethon hatte die Lehrender beiden Philosophen als durchaus unvereinbar dargestellt, Platonin den Himmel erhoben, dagegen Aristoteles und seine Anhängerbitter verspottet. Ihm zur Seite stand auf dem florentinischen Con-cil Niccolo Sagundino: er machte Aristoteles zum Vorwurf, daß ermehr aus Neid als aus Liebe zur Wahrheit Platon's Verdienst her-abgesetzt'). Den Fehdehandschuh hatte Georgios Skolarios, auchGennadios genannt, der spätere Patriarch von Konstantinopel, auf-genommen und in demselben Tone geantwortet, den Plethon in seinerReplik natürlich noch steigerte. Dieser Kampf nun fand in Romseine Fortsetzung. Gaza trat gegen Plethon und Platon auf, Bessarionals Vertheidiger des Plethon, seines Lehrers, und des Platon, dessenAnsicht er oft dem christlichen Dogma nahe fand. Ihr Streit bliebnoch in ziemlichen Grenzen. Als einer von Besfarion's Schützlingen,der geflüchtete Grieche Michael Apostolios, seinem Brodherrn rechtzu gefallen meinte, wenn er von Gaza und von Aristoteles mit tieferVerachtung sprach, meinte der Cardinal doch, das sei nicht die rechteArt, eine gute Sache zu vertheidigen. Obwohl ein persönlicher GegnerGaza's, mit dem er in den aristotelischen Uebersetzungen rivalisirte,warf sich Trapezuntios zum Anwalt des Aristoteles aus und schriebheftig gegen Bessarion, der Streit zwischen diesen beiden wurde der

i) 1?aoiu8 äs vir. illustr. p. 21.