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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Ilebersctzungen für Nikolaus V. Strabon.

griechischer wie in römischer Geschichte bewiesen'). So zeigte sichauch hier, wie gering die Urtheilsfähigkeit des Papstes und seinerBerather, wie verführerisch der Glanz der lateinischen Stilistik undwie bedenklich das Verfahren des Papstes, der durch Massenarbeitenauf Bestellung auch die besseren Naturen zur leichtfertigen und ge-wissenlosen Production verleitete.

Die Kosmographie gehörte auch zu den Lieblingsfächern desPapstes. Da man nun den Ptolemaios längst von der Hand desGiacomo da Scarparia lateinisch besaß, galt es für Strabon zusorgen. Der Papst ordnete bei dem Umfange des Werkes eineTheilung an: die ersten zehn Bücher, die außer der Einleitung dieLänder Europa's betreffen, sollte der alte Guarino, die anderen sieben,also Asien und Africa Gregorio von Citta di Castello übernehmen.Es scheint Guarino nicht leicht gewesen zu s«n, ein griechischesExemplar zu erhalten^). Erst im März 1453 hatte er einen kleinenTheil der Uebersetzung fertig und konnte ihn durch Tortello demPapste vorlegen lassen. Es war die erste größere Arbeit, die ernun, ein Greis in den Achtzigern, unternahm. Er verheimlichte auchnicht, daß er für seinen Fleiß ansehnlich belohnt zu werden erwarte,da er um der Arbeit willen seine Privatlectionen beschränken müsseund für den Lebensunterhalt seiner zahlreichen Familie zu sorgenhabe. Sind wir recht berichtet, so hat er nach Vollendung der zehnBücher 1000 Goldgulden erhalten"). Daß Gregorio unterdeß andem anderen Theile arbeitete, scheint er nicht gewußt oder nicht be-achtet zu haben. Vielmehr übersetzte er nach dem Tode des Papstesauch die anderen sieben Bücher und brachte das ganze Werk nocheinmal dem venetiänischen Patricier Giacomo Antonio Marcello dar.So kommt es, daß der lateinische Strabon in Handschriften baldals das Werk Guarino's, bald als das der beiden Uebersetzer er-

') kol^dii Rist. eil. Is. Oasaudono, I'Vaneof. 1609, üiavk.

°) Er ging Filelfo darum an, wie aus dessen Brief an ihn vom 3. August1448 hervorgeht, doch war dessen Strabon bei den Giustiniani in Venedig. WasPoggio («pist. X, 7 e<i. Tonolli) am 7. Dec. 1449 dem Papste überreicht, warsicher noch nicht ein Theil von Guarino's Strabon.

3) Vospasiano Xioola V § 26, Onsrino Vsronsse H 2. Die Modifikationnach den drei Erdtheilen ist aber undenkbar. Die Correspondcnz Guarino's mitTortello, die bis zum Februar 1455, also bis hart an den Tod des Papstes reicht,aus einem vatican. Codex bei OoorAins Vita Xieolai V p. 188 und bei R-os-wini Vita äi Ouarino vol. II p. 17411.