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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Humanismus und Mönchthum.

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Hörer bei ihren Dummheiten einschlafen, oft ziehen sie gegen dasLaster in solcher Weise zu Felde, daß sie vielmehr darin unterrichten,erzählen alberne und ungehörige Possen oder die skandalösesten Ge-schichten. Von einem dieser Observanten will Poggio gar wissen,daß er nackt gepredigt habe, um die Weiber anzulocken. So ist dennder Erfolg, daß sie heiser und mit Schweiß bedeckt, die Zuhörer aberdummer, als sie gekommen, davongehen. Sie bellen und brüllenJahre lang von ihren Kanzeln, und doch wird niemand und nichtsin der Welt besser.

Zu solchen Schilderungen bringt Poggio überall, besonders aberin seinen Facetten, ein Menge von Beispielen und Geschichten vonhabsüchtigen und gaunerhaften Mönchen, von solchen Heiligen, diedurch den schaamlosesten Umgang mit ihren weiblichen Beichtkindernjene Blässe des Gesichts und die Hagerkeit erworben, um deren willensie das Volk bewunderte, von ertappten und bestraften »Ehebrechernu. s. w. Die Persönlichkeiten werden oft so angedeutet, daß man sieentweder erkannte oder doch versucht war, aus diesen und jenen zurathen, oft werden sie auch geradezu genannt. Erwägen wir, daßPoggio am Hofe Nicolaus' V ein angesehener Mann war, als erden Dialog gegen die Heuchelei schrieb, daß die Würde eines floren-tinischen Staatssekretärs ihn hoch über die Schaar der gewöhnlichenLiteraten gehoben hatte, als er die Facetten herausgab, erinnernwir uns ferner, wie vielgelesen seine Schriften und zumal die Fa-cetten waren, so tritt erst dadurch ihre Bedeutung in das volle Licht,und der bittere Haß, den die Bettelmönche auf ihn und auf sein An-denken geworfen, wird uns erklärlich.

Man erkennt wohl, daß es ein natürlicher Standesgegensatz ist,der Poggio zu solchen Fehden treibt. Sonderlich fromm war ergewiß nicht, eine informatorische Ader wird man ihm noch wenigerzuschreiben wollen. Aber er war doch auch weit entfernt, sich äußer-lich vom Verbände der Kirche zu lösen, ja selbst den Anschluß desHauses an das Kloster, wie er in den florentinischen Familien Sittewar, zu mißachten, zumal seit er, mit Vaggia verbunden, wirklichein Haus begründet. Das verbot schon die Rücksicht aus Wohlan-ständigkeit, die in solchen Dingen maßgebender ist als selbst die Re-ligion. So befremdet uns nicht, daß er mit verschiedenen Mönchenin Florenz in freundschaftlicher Verbindung stand, selbst mit demObservanten Traversari. Zwar eine schwere Kränkung war es ihm,