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V. Paulus II und die Akademie.
bald aufgegeben zu haben. Aber auch gegen ihn wurde der Proceßin anderer Richtung fortgesetzt. Der Papst gedachte gegen die philo-sophischen und heidnischen Keckheiten dieser Schulmeister und Schön-geister mit abschreckender Strenge vorzugehen'). Platina wurde desIrrglaubens beschuldigt: er habe in der Lehre von der Unsterblichkeitder Seele Platon beigestimmt, ja im Laufe der akademischen Dis-putation sei sogar das Dasein Gottes angezweifelt worden. Letztereskonnte Platina nicht leugnen, er wies zu seiner Vertheidigung ausdie Methode aller Theologen und Philosophen: man stelle etwas, zumBeispiel Gott, in Abrede, um es dann auf diesem Wege destoglänzender zu beweisen (iuvouiöuäi eausa). Ein Ketzer sei er nicht,das Merkmal der, verstockten Hartnäckigkeit fehle. Auch sei seinWandel ohne Fehl: er sei wenigstens einmal im Jahre zur Beichte-und zum heiligen Mahle gegangen, habe an Festtagen dem Gottes-dienste beigewohnt, wenn es sein konnte, kein Wort gesprochen, wel-ches gegen die Symbole verstoße oder nach der Ketzerei der Karpo-kratianer, Paulicianer, Manichäer u. s. w. schmecke. Aber nicht solcheGlaubensabweichungen, sondern das heidnische Treiben in der Aka-demie traf die Anklage, und darin wagte Platina seine Schuld nichtzu leugnen. Er richtete an den Papst die wehmüthigsten Mitschreiben,voll Reue, Bußfertigkeit und kriechender Devotion. Er versprach,wenn man ihn freilasse und der Dürftigkeit enthebe, der feurigsteLobredner des Papstes zu werden, in Prosa und in Versen „dasgoldene Zeitalter seines glücklichsten Pontificates" zu feiern oder auchdie schönen Wissenschaften ganz zu lassen und sich den heiligenSchriften und der christlichen Religion zu widmen. Er rief inklagenden Briefen eine ganze Reihe von Cardinälen und Prälatenzu Fürbittern auf, meistens mit dem Versprechen, der Herold ihresLobes werden zu wollen. Insbesondere hoffte er aus Rodrigo Sanchezde Arevalo, Bischof von Calahorra, den Präfekten der Engelsburg,der in den Rechten gelehrt, mit den schönen Wissenschaften vertrautund selbst Schriftsteller war"), sonst auch für einen Freund der Lite-raten galt. Der ließ sich mit ihm in einen artigen Briefwechselein, vergalt seine verzweifelten Huldigungen und Schmeicheleien mitHöflichkeiten oder mit der ironischen Mahnung, seine Kerkerleiden
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2) Ueber sein Befsarion gewidmetes Werk I)s rsinsdiis -Mietn« eeelssiae vcrgl.Vnst Losbnrion p. 290.