VI. Der Humanismus als weltbürgerliches Element.
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gangenheit begraben war, von vorn herein ein weltbürgerliches Ele-ment, nicht gar anders wie in der Kirche. Und gleichwie in dieserdie italienische Bildung einen Principal errang, so hat sie auch dasganze Mittelalter hindurch in Wissenschaft und Kunst den Weltbürger-sinn am meisten vertreten. Ihre völkerverbindende Aufgabe überkamder Humanismus. Ein volles Jahrhundert lang finden wir ihn soausschließlich aus Italien beschränkt, daß feine Spuren iü andernLändern höchstens wie einzelne losgerissene und schnell erlöschendeFunken erscheinen. Es war in der That, als mußte er seine Leucht-' kraft erst recht concentriren, bevor er sie über die christliche Weltausstrahlen ließ. In Italien beherrschte, er bereits die gebildetenKreise, die das geistige Erbtheil der Menschheit verwalten^ hier warer eingebürgert an den Hochschulen und unter den reichen Kaufherren,unter Adel und Prälatnr, in den Republiken wie an den Höfen, ja "an der apostolischen Curie selbst — und doch ist es erst die ZeitNicolaus' V, die uns die ersten deutlichen Spuren einer Propagandajenseits der Alpen erkennen läßt. Während es mit der kirchlichenAutorität und der politischen Größe Italiens schon bedenklich genugstand, wurde diese Halbinsel noch einmal, wenn auch nur für kurzeZeit, die Lehrmeisterin der Völker. Ein freier Gelehrtenstand als neueForm, das klassische Alterthum als neuer Bildungsstoff, das warenDinge, die für die Ultramontanen noch ganz zu lernen blieben, aberschnell gelernt wurden.
Mit der Verbreitung der kirchlichen Ideen und hierarchischenFormen, die ddch auch einst von Italien über einen Theil Europa'sgekommen, ließe sich die des Klassicismus nur sehr zwangsweise ver-gleichen. Dort bedurfte es einer jahrhundertelangen Missionsthätig-keit, eines systematischen Organisirens und Centralisirens, der nach-drücklichen Kraft und zähen Ausdauer. Hier sprangen die Funkenwie von selbst herüber, der Zündstoff lag in der überall gleichen la-teinischen Bildung bereit. Waren nur erst die wichtigsten Literatur-werke der Römer und Griechen eingeführt, so pflanzte sich ihr Kultusvon selbst fort und der Schüler bedurfte sehr bald des Lehrers nichtmehr. Das Altklassische gehörte eben seiner Natur nach keiner Na-tion insbesondere an, seine wesentlichsten Reliquien waren leichttransportabel, für seine Schönheit war der Norden und Westen kaumweniger empfänglich als der Süden und Osten, auf dem es einstemporgewachsen. Das Gefühl für die irdische Ewigkeit im Nachruhm,