VI. Poggio in England.
255
Herrn besuchte, heidnische Bücher nicht fanden, auch Salisbury keineAusbeute brachte. Oxford scheint er überhaupt nicht besucht zu haben.Daß aber die englischen Stifter und Klöster eine Fülle von klassischenHandschriften bargen, erkennen wir nicht nur aus der geschichtlichenund poetischen Literatur, die dort erzeugt wurde, auch aus den viel-fach erhaltenen Katalogen*). Poggio verhehlt selbst nicht, daß diefrühere Spürlnst in ihm ermattet; sie erwachte doch in Italien vonneuem, als spornende Freunde ihm zur Seite standen. Wir wüßtennicht, daß er von England her der klassischen oder kirchlichen Lite-ratur irgend eine Bereicherung zugeführt. Zu den wenigen Nach-forschungen verstand er sich wohl nur, um Niccoli's Verlangen zugenügen.
Mit dem Leben in London und dem Naturell der Briten konntesich Poggio durchaus nicht befreunden. Noch später, sprach er nichtleicht von diesem Volke, ohne über seine Vollerm im Essen undTrinken zu witzeln. Gern erzählte er, wie er mehrmals von Prä-laten und Edelleuten geladen worden, wie man vier Stunden beiTafel gesessen und wie er dann öfters habe aufstehen und sich dieAugen mit frischem Wasser netzen müssen, um nur nicht einzuschlafen ft.Die wenigen Männer der Wissenschaft, die er kennen lernte, zeigtenihre Weisheit in den dialektischen Künsten und Disputationen, wiesie an den Hochschulen Sitte. Er hätte längst von seinem hohenGönner den Abschied, erbeten, hätten nur die Nachrichten vom Zu-stande der Curie Martins V aussichtsvoller gelautet. In Englandhoffte er immer, noch „Freiheit und wissenschaftliche Muße" zu er-ringen. Priester aber mochte er nicht werden, Schulmeisterei warihm ein Gräuel, Schreiberarbeiten hatte er satt, der „Dienst bei einemTyrannen" erschien ihm auch gar traurig. Es blieb also nur dasIdeal Petrarca's: die fette, zu nichts verpflichtende Pfründe. Dieerwartete er vom reichen und mächtigen Cardinal. Als aber. derBerg endlich das Mäuslein gebar, war es eine Pfarrkirche mit120 Gulden Einkünften, was Poggio lange nicht zufrieden stellte.Dann wurde eine bessere Pfründe beschafft, aber die frühere mußteaufgegeben werden, und die neue war mit Seelsorge verbunden.Wollte Poggio sie mit einer anderen vertauschen, verlor er wieder
y V880I1LMP8 Ls 8 »i bibl. 8 ur Oloerou p. 22 . 23 .2 ) Vsspabiano ?OMio §1.