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VI. Carl von Wotcester.
derer sandte er ihm als Geschenk zu'). Unter den ausländischenFürsten wüßten wir keinen, der in Italien so früh schon als hoch-herziger Patron der neuen Studien gegolten hätte.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sah man einen anderenEngländer von vornehmer Geburt lange in Italien weilen, JohnTiptost, Earl von Worcester. Englands Staatsgeschichte kenntihn nur als einen Mann voll ränkesinnender Tücke und Grausam-keit. In Italien, wo er etwa drei Jahre verweilte, erschien er alsein offener Kopf, empfänglich für die Studien der Eloquenz und desAlterthums, wiffensdurstig und leutselig, äls ein überaus hitzigerBüchersammler. Allerdings War diese literarische Episode seines Le-bens keine freiwillige. Weil er in England den politischen Gegnernweichen mußte, kam er nach Venedig und unternahm von da aus.eine Reise ins heilige Land. Nach der Rückkehr ließ er sich in Pa-dua nieder, um am Studio die lateinische Sprache, deren er längstmächtig, auch in ihrer feineren Ausbildung und die moderne Rhe-torik zu lernen. Auch den alten Guarino besuchte er in Ferrara.Nach Florenz kam er, um von Büchern zu kaufen, was nur um Geldzu haben war. Der Buchhändler Vespasiano führte den vortreff-lichen Kunden in der Stadt umher. Da der Earl von dem Ruhmedes Aristotelikers Argyropulos hörte, versagte er es sich nicht, uner-kannt einer Lection desselben beizuwohnen. In Rom hatte er imAuftrage des Königs Verhandlungen mit Pius II und den Cardinälenzu führen. Seine Begrüßungsreden an sie waren Kunstwerke, die inAbschriften fixirt wurden. . Der Papst soll vor Freude über den elo-quenten Briten Thränen vergossen haben. Francesco von Arezzowidmete diesem seine Uebersetzung einer Schrift des Lukianos. DerEarl selbst hat Werke Cicero's und anderes in seine Landesspracheübersetzt. Seit er aber gegen Ende des Jahres 1460 nach Englandheimkehrte, verschlingt ihn wieder das Getriebe der Politik; wir hörennichts von literarischen Clienten, nicht einmal, was aus seinen Bücher-schätzen geworden^).
Inzwischen mehren sich auch die Beispiele, daß junge Engländernach Italien kommen, um die klassischen Sprachen nach der neuen
1) Die Widmung des plutarchischen Artaxerxes bei Lnnäini OntnI. eoäll. Int.dibl. linnrent. V. II p. 699. 742.
2) Vs8pn8isno Ivien 6i rVoresstri. LrOsus p. 620.