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Vl. Deutschland und der Humanismus.
ist das antike Wesen der Modetmr des Hofes und der Aristokratiegeworden und manches, was im Charakter und im Hofleben der ge-feierten Königin wie eine Wunderlichkeit erscheint, findet hierin seineErklärung und an deir Höfen Italiens seine Parallele.
Die erste höchst merkwürdige Berührung des deutschen Geistesmit dem des klassischen Alterthums führt uns in das Zeitalter derKarolinger und Ottonen zurück. Schon die Literatur, die jener Epocheentsprungen, zeigt die bekannte Erscheinung, daß der Deutsche jedenBildungsstoff, der ihm nahe tritt, mit Willigkeit aufnimmt, immeraber in feiner eigenen Weise verarbeitet und als ein Gut von all-gemeinerem, weltbürgerlichem Charakter zurückgiebt. Italien und dendeutschen Stamm in allen ihren Wechseleinflüssen zu verfolgen, würdeuns weit abwärts führen. 'Wir gedenken daher nur im allgemeinender Thatsache, wie diese beiden Nationalitäten einander unaufhörlichangezogen und abgestoßen haben, wie viele Bande zwischen ihnengeknüpft wurden und wie doch in Sitte und Denkart ein immerschrofferer Abstand sie trennte. In der Feinheit und Glätte des Ita-lieners sah der Deutsche nur List und Verderbtheit; dennoch impo-nirten ihm jene Eigenschaften. Die ungehobelte Natürlichkeit undDerbheit des Deutschen erschien dem Italiener als ein plumpes Bar-barenthum, und doch empfand er mehr als einmal die Schläge dieserNaturkraft und ahnte wenigstens, daß in jener vierschrötigen Bieder-keit etwas Sittliches verborgen liege. Dieser Antagonismus stelltesich am schärfsten in den Kämpfen heraus, die um die welsche Hie-rarchie geführt wurden. Dem Geiste nach war der Italiener unbe-stritten der überlegene. Mochte der Deutsche in jedem einzelnen,vorn Cardinallegaten bis zum untersten Schreiber der Curie herab,nur einen Geld- und Blutsauger sehen, der seine Erpressungen nochdazu mit Stolz und Verachtung übte, mochte er auch oft aus demSprunge sein, den kirchlichen Verband, der ihn vornehmlich an Ita-lien knüpfte, zu zerreißen, immer war es, als sagte ihm ein tiefesBedürfniß in seinem Innern, er habe von dieser Nation noch zulernen. Mehr als einem Volke hat sich das deutsche so mit einerVerehrung und Unterwürfigkeit hingegeben, die oft den Schein dergeistigen Knechtschaft trug, bis es ausgelernt, bis es durchgeschautund sich das edelste Gut jenes Nachbarn zu Eigen gemacht. Die