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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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VI. Gregor Heimburg.

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dinäle buhlte. Wir dürfen wohl annehmen, daß dieser Aufenthaltam zeitweiligen Tummelplätze der Oekumene, daß die Reden, die erdort hörte, die Schriften, die er im Interesse des obschwebendenKirchenstreites las, daß Persönlichkeiten wie Cardinal Cesarini auchin Heimburg's Seele den humanistischen Funken geworfen haben.Aus Schweinfurt gebürtig, war er auf den Hochschulen zu Würzburgund Padua gebildet, zunächst als Jurist in Padua erwarb er denDoctorgrad im kanonischen Recht aber auch den Studien derPhysik, Metaphysik und Ethik hat er hier obgelegen, das heißt den-jenigen Disciplinen, die sich in damaliger Weise an den mißverstan-denen und in hundert abgeleiteten Bächen unkenntlich gewogenenAristoteles anlehnten'). So fern in Würzburg, so nahe lag ihmdie moderne Schöngeisterei in Padua oder Basel. Er war damalsimmer noch jung und einer jener Geister, die schnell lernen unddenen mehr als ein Gebiet der Wissenschaft offen steht, bei denenaber das praktische Leben und ein fester Wirkungskreis gar bald demHeißhunger des Wissenwollens Zügel anlegt. Daß er, wie die Fähig-keit dazu in ihm lag, von den humanistischen Feinheiten genascht,zeigen seine Schriften. Er weiß recht wohl Beispiele aus der altenGeschichte einzuflechten, Cicero, Terentius, Virgilius oder einen dereleganten Kirchenvater zu citiren, er ist inne geworden, wie viel süßerdem Ohre die schmucke oder pomphafte Rede klingt als das schlichteWort, er war gelegentlich ein eifriger Vertheidiger der Poesie gegenihre Verächter.

In Basel hat Heimburg mit Enea Silvio keine Gemeinschaftgehabt. Wahrscheinlich lernten sich die beiden erst zu Neustadt, amHofe des römischen Königs kennen. Als hier einst Heimburg öffent-lich, obwohl ein Deutscher und ein Jurist, mit eifriger Hingabe vornStudium der Humaniora sprach, hörte ihn niemand mit dem Ent-zücken wie der Italiener, der in seinem Geiste schon sah, wie jenesStudium in Deutschland durch solche Männer zu Ehren kommenwerde. Er gratulirte Heimburg noch an demselben Tage in einem

') Die Sammlung seiner Schriften, die u. d. T.: Leripta nsrvosa znstitiaegnsplenn etc. sx. w88. innre primnw eruta sie. Vianeokniti 1608 erschien, enthältnicht mehr als was dann auch Goldast in den beiden ersten Bänden der llonarelnaemtigetheilt hat. Nur letztere Ausgabe ist mir zur Hand. Die Studien seinesJünglingsalters erwähnt Heimburg in seiner r4polo§ia up. doläust I. e. 1.11p. 1608. S. meinen Pius II Bd. II S. 349 ff.