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VII. Darstellungen aus der Zeitgeschichte.
Geist und Leib dem Freistaate weihten". Marmor und Erz, sofährt er dann fort, schwinden dahin; Redner, Dichter und Geschicht-schreiber allein führen den, den sie feiern, sicher der Unsterblichkeitzn. Daß der begeisterte Autor dabei auch seiner selbst nicht vergißt,sieht man aus seiner Aeußerung: „Was sind Julius Cäsar's Siegegegen die Feinheit und Eleganz feiner Commentarien?" st
Obwohl manche dieser Mangel theilend, ragt doch weit über dieMemoiristen und Geschichtschreiber seiner Zeit hinaus Enea Sil-vio de'Piccolomini. Seine Bewegung im Leben, seine Theil-nahme an der Politik der Kirche wie des Staates war eine ganzandere als die seiner humanistischen Kollegen. Fast zwei Drittheileseiner männlichen Jahre hatte er auf deutschem Boden, am BaselerConcil und am Hose des Kaisers zugebracht, selbst England undSchottland gesehen. Italien erhielt ihn für die Dauer erst als Car-dinal und Papst wieder. In Deutschland und über Deutschlandkonnte er schreiben, was ihm beliebte, da sein königlicher Herr seineSchriften doch nicht las, und später überhob ihn seine kirchlicheWürde wenigstens derjenigen Fesseln, die den Höfling beschränkten.Lohn hatte er für seine geschichtlichen Werke nie zu erwarten; KaiserFriedrich war unempfänglich für den Gedanken, durch ihn dem Ruhmeder Nachwelt empfohlen zu werden, und verlangte nach keinem Hos-historiographen. Vielleicht allein unter seinen gelehrten Genossenhatte der Piccolomini den Trieb in seiner Seele, der leicht beweg-lichen Feder anzuvertrauen, was er von den Dingen der Welt sahund hörte. So unbedeutend seine gelehrten Arbeiten aus dem ge-schichtlichen Felde sind, so war er der echte Memoirist. Die Nieder-zeichnung von Denkwürdigkeiten ging mit seinem bewegten Lebenimmer Hand in Hand. Wie er in Basel zuerst die große Welt sah,begann er mit Commentarien über das Baseler Concil und verfaßtespäter noch ein rückschauendes Geschichtswerk über.dessen Verlauf.Es folgte die Geschichte Friedrich's III, die er durch eine GeschichteOesterreichs einleitete. Ein Besuch am Hofe Alfonso's von Neapelhatte die Apophthegmen zur Frucht, die er zum Ruhme des Königsdem verwandten Buche Beccadelli's anfügte. Als Cardinal schrieber die Geschichte Böhmens, das seinen Geist schon seit dem BaselerConcil so viel beschäftigt, ferner einen Theil der Europa, einer geo-
") Bei Llurslorl '4. XX p. 442. 453.