Buch 
Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
JPEG-Download
 

27

sönliche Unsterblichkeit. Dann wieder ist ihm das Leben ein Traum,von welchem nichts übrig bleibt, wenn es aufhört.*) In dieserBeziehung hatte man bei Hofe eine Zeit lang auf den Einflußdes fönst von dorther arg verfolgten Philosophen Wolf auf denKronprinzen gehofft. Dieser hatte den ganzen Beweis der Unsterb-lichkeit auf die Einfachheit der Seele gebaut. Nach einiger Zeitaber scheint Friedrich selbständig dagegen eingewandt zu haben,Wolf habe nicht genügend bewiesen, daß die Seele ein einfachesWesen sei. Bei Hofe klagte man 1736 auch, daß Boltaire'sSchriften Friedrich's Glauben an Unsterblichkeit wieder wankendgemacht hätten. Gewiß war der französische Autor überhaupt nurin den Formen des Witzes und der Unterhaltung, nicht aber mitBezug auf den Inhalt seiner wichtigsten Ueberzeugungen der Lehrerdes charakterfesten protestantischen Königs Friedrich.

Wie bedeutend übrigens dieses lauge geistige Zusammen-leben von Fürst und Dichter war, zeigen ihre Schriften bis aufFriedrich's Randbemerkungen. Von wem dabei dieser oder jenerGedanke eigentlich ausgeht, soll uns nicht kümmern. WennVoltaire sagt, daß in seinem Glauben Jeder friedlich leben, aberzuerst die Gesetze des Staates ehren möge, so hält diese Aeußerungdie Mitte zwischen dem Worte Friedrich's:In meinem Staatekann Jeder nach seiner Faoon selig werden" und zwischen derBibelstelle:Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gölte, wasGottes ist." Daß der Fürst nur der erste Diener des Staatessein sollte, hatte Friedrich allerdings aus dem Seneca gelernt.Selbst der alte Canitz aber, der sich so viel mit dem Hoflebenbeschäftigt hatte, scheint ihm in einer oder der anderen seinerliberalen Aeußerungen vorgeschwebt zu haben.

So half Jeder an seinem Theile, Friedrich und Voltaire,die toleranten Gedanken für das 18. Jahrhundert zu verarbeiten.Ueberall noch der nämliche Versuch eines schwächlichen Ausgleichs

Briete »om 9. Juli 1776. 1. August 1780 und 14. Juli 1781bei.Rodenbeck IV.