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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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schule, nachholen. Es ist bisher übersehen worden, daß eineschiesischeBäuerin, die FrauKarsch, in ihrem Bauerngesprächeihr bestes politisches Gedicht lieferte. Schon das ist bemerkens-werth, daß die Karschin viele Proben einer Mundart, ungefährwie später der Schweizer Jeremias Gotthelf, in dieser kräftigenDichtung mit dem Hochdeutschen zu verbinden wagte. Wir ver-muthen, daß Goethe bei der Abfassung von Hermann undDorothea auch dies.Gedicht einer schlestschcn Bäuerin gekannt hat.

Daß im Obigen überhaupt eine Charakteristik der Volks-dichtung des siebenjährigen Krieges versucht werden konnte,ist zum Theil das Verdienst des Freiherr» Franz Wilhelm vonDitfurth, welcher seit 1869 die bis dahin nur sehr geringeAnzahl der aus den Tagen Friedrichs des Großen bekanntenSoldatenlieder *) sehr vermehrt hat. Die Kenntniß der bürger-lichen politischen Volksdichtung des siebenjährigen Krieges habenwir lediglich aus zwei Banden mit Handschriften **) auf derK. Bibliothek zu Berlin geschöpft. Jeder Band umfaßt die Zeitvon 1740, nickt wie auf den Titeln angedeutet ist, erst von 1756an. Ueberschriften, Namen, Jahreszahlen und Quellenangabensind fast ohne Ausnahme weggelassen. Einiges ist von Gleimund Vieles gewiß den Zeitungen entnommen. Die Hauptquelledürften aber Abschriften oder fliegende Blätter gewesen sein. Dabei der Auswahl des Materials die ästhetische Kritik nicht gleichder literarhistorischen vernachlässigt ist, so ist der Werth jenerbeiden Bände in poetischer Hinsicht doch sehr bedeutend.***)

Besonders ausführlich ist Ditfurth's bei Lipperheide erschieneneSammlung der Lieder des siebenjährigen Krieges.

**) Älser. Loruss. kol. 872 mit 62 numerirten, aber wohl nichtrichtig gezählten Piece» und Nser. Loruss. kol. 506 mit 26 nichtnumerirten Piecen.

***) Aelmliche volksthümliche Dichtungen aus fliegenden Blätterndürften sich in der Hecht'schen Bibliothek zu Halberstadt im Besitze desHm. Oberamtmann Heine daselbst befinden. Dieselben sind von Hecht,einem Bekannten Gleims und Ramlers, selbst zusammengestellt und mitBriefen, -die Friedrich der Große über die Berbältnisse Preußens zu