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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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fischen, durch deren Verschmelzung die deutsche Literatur wieder-geboren wurde, noch getrennt und unversöhnt neben einanderliegen, so hat das kecke Werkchen für uns keinen Werth mehr alsden einer Curiosität und eines vormals für die literarische Ent-wickelung nothwendig gewesenen Exercitiums. Man konnte aucknach einem so abgeleiteten und selbst nicht einmal rein auf denVolkston gerichteten Muster, wie jenes Gedicht von Klopstock, nichtmehr erwarten.

Auf das, was bisher besprochen ist, beschränkt sich aberKlopstocks Einfluß auf Gleims Grenardierlieder nicht ganz. Gerade ^in religiöser Hinsicht hat man zuerst einen Einfluß des Messiasauf Gleims Grenadierlieder bemerken wollen. Die Wahrheit ist,daß auch in religiöser Beziehung die Grenadierlieder die größtenGegensätze in sich vereinigen. Einerseits ist die Einwirkung Klop-stocks und jener mit ihm verwandten religiösen Erregungim Volke auf Gleims Kriegslieder nicht zu verkennen. Anderer-seits aber strebt der Dichter in den gerade hierfür wesentlichen'Stellen danach, ihnen eine Haltung zu geben, die mehr den philo-sophischen Meinungen des Königs entspricht.

In dem Siegesliede nach der Schlacht bei Lissa heißt es:

Welch' bohcr wunderbarer Glanz.

Uns Allen wunderbar,

Erfüllte da die Gegend ganz.

Wo der Gesalbte war!

Diese Strophe scheint uns der echten Poesie nicht gerecht zuwerden, welche darin lag, daß stiele Soldaten sich während der-Schlacht durch den Anblick des Königs ermuthigt fühlten, überdein sie einen außerordentlich hellen Schein wahrzunehmen glaubten.Gleim wußte dies aus dem Briefe eines Soldaten. SeinSieges-lied nach der Schlacht bei Lowositz, den 1. Oktober 1756" beginntmit den Worten:Gott donnerte, da floh der Feind". Er hatteschon lange vor Abfassung des Liedes'über die Schlackt besLowositz au Uz geschrieben:Ein Poet sollte sich merken, daß