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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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liedes nicht. Unter diesen Umstanden war ihm, nachdem daszorndorfer Siegeslied bei Geßner in Zürich gedruckt war, selbstdie Bewunderung der Schweizer gleichgiltig, wenn sie auch in demBriefe von Hirzel jede andere Anerkennung weit überstrahlte, dieGleiin sonst überhaupt je zu Theil geworden ist. Auch daß inBraunschweig der Hofprediger Mittelstedt, ein guter Kopf undabsonderlich ein großer Sprachverständiger, sich mehr damit be-schäftigte, dem Hofe die Kriegslieder des Grenadiers vorzusingenals ihm das Evangelium vorzupredigen, ermunterte ihn nichtmehr zu neuen Kriegsliedern. Wohl aber war der Grenadiersogleich wieder auf dem Platze, als er start äs Znorrs in denWerken des Königs übersetzen sollte.Der König (schrieb ihmRamler*) sieht dieser Übersetzung entgegen, und dieses deutscheGedicht wird just dasjenige seyn, was er lesen wird und wobeyer die deutsche Dichtersprache vielleicht lieb gewinnen wird." Wahr-scheinlich hatte Lessing, der auch hierbei zu Friedrichs Ehrenwieder die preußischen Preßangelegenheiten mehr oder wenigerleitete, Gleim dazu ausgewählt, um ihn über den Verdruß, denihm das zorndorfer Siegesliev bereitet hatte, in angemessenerWeise zu trösten. Allein die Ausführung unterblieb, weil Gleimden vollen Beifall seines Lessing durch eine vorläufige Probe seinerUebersetzungskunst nicht wieder zu erringen vermochte.**)

Ramler hatte an Gleim geschrieben: wenn alle Musenschwiegen, so würde er Friedrich singen. Er hielt Wort-

Ramler war nur Gelehrter. Er konnte weder als Geschäfts-mann wie Gleim, noch durch ein schnelleres Avancement im Kriegewie Kleist zu einer befriedigenden äußeren Lebensstellung gelangen.Als Lehrer am Cadettenhofe wirkte er gewissermaßen vor denAugen des Königs. Auch stand seine Thätigkeit als Lehrer und

H 30. Juni 3. Juli 1760.

Jedoch schrieb ihm Lessing noch in Wolsenbüttel 22. Mai 1772«ine Vorrede zu seinen sogenanntenVolksliedern." Gleims Werke lS. 337340.