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Zunächst wurde Sulzers und Schultheiß' Reise mit Klopstockzu Bodmer ein neuer Triumphzug für Klopstock. Als die Schweizerihren Klopstock in Quedlinburg abholten, erfuhren sie freilich, daßder Prophet in der Heimat nichts gilt. Wenigstens konnte ihrFuhrmann dort den Weg zu Klopstocks Hause nicht finden. Erfuhr die Schweizer Stunden lang in der Stadt herum und, wiees scheint, allein dreimal durch die „Bude" (Bode). Von Quedlin-burg aus fuhr man quer über den ganzen Harz weg. Auf einemKirchhofe des Harzes fanden die Reisenden schöne Rosen. Sietranken deshalb auf den Gräbern eine Flasche Wein, zu welcherihnen ein Glas wie ein Römer gebracht wurde. Zu Thüringen,wo gerade das Heu geerntet wurde, schwelgte man in einer Mühleam Fuße eines hohen Berges in saurer Milch, welche den Schwei-zern wie Nektar und Ambrosia schmeckte. Und wenn diese SchweizerHans und Gleichen sich umfassend beim Heumachen im Schattenan einem Bache liegen sahen, so hatte dagegen Klopstock imSchimmer der Abendröthe, die auf die Tannen fiel, die erhabenenErscheinungen seiner abwesenden Freunde und seiner Fanny. Baldaber stellte es sich heraus, daß der Dichter des Messias viel welt-licher war als die Schweizer.
Während nämlich Sulzer in Zürich den Tubum nach denSchweizeralpen richtete, richtete Klopstock ihn auf die Menschen.Welche Gefühllosigkeit gegen die Natur! Und doch beschriebKlopstock die verhangnißvolle Spazierfahrt auf dem züricher Seein einer seiner schönsten Oden und in einer der erhabensten Dich-tungen, welche die Alpen je hervorriefen.
Von Klopstock in Zürich *) wurde erwartet, daß er nichtrauchen und den ganzen Tag bei Bodmer und seiner blinden Frau
*) In den beiden gehaltvollen literarischen Schriften von Möri-kofer, in Klopstocks meisterhafter Jugendgeschichte von David Fried-rich Strauß und in Klopstocks gediegenem Briefwechsel von Lappen-berg liegt das Material für Klopstocks Aufenthalt in der Schwei;vollkommen und spruchreif vor. Erst in den Folgerungen aus dor-tigen Vorfällen geben wir wieder Neues.