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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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der unbefriedigten und deshalb schwermuthsvollen Liebe zu Fannygeweiht. Die Cypresse aber ruft zu unaussprechlich süßenFreuden, die selbst das Lied verschweigen muß. So weitdiese Ode Klopstocks, in welcher sich eine diesmal rein christlicheWeltanschauung auf eine Weise mit dem echt Menschlichen in Ver-bindung setzt, wie wir es sonst nur in heidnischen und antikenWendungen und Bildern zu finden gewohnt sind.

Inzwischen war es dem klopstockschen Freundeskreise undKlopstock selbst niemals gleichgültig, wie Fanny später über ihndachte. An einem Herbsttage des Jahres 1770 saß der Kammer-junker von Göchhausen in Eisenach bei feinem Freunde, demKaufmann Streuber und bei dessen Frau es war KlopstocksCousine Fanny geborene Schmidt aus Langenfalze. Fanny fährtedie französische Correspvndenz ihres Mannes besonders nach Lyon.*)Auch das Gespräch bei Streubers drehte sich um französische Auto-ren, besonders um Rousseau.Ich kann's gar nicht leidenhob der Kammerjunker endlich an wenn man immer von Aus-ländern redet. Als wenn man nicht Deutsche hätte, bei denenman zuerst anfangen sollte, weil man selbst doch ein Deutscher ist.Die deutsche Lectüre ist ebenso gut als die französische. Da ist

zum Beispiel der Herr Gleim--"Kennen Sie Gleim,

Herr Kammerjunker?"" sagte Frau Streuber.Wir schreibeneinander, Madame. Ich erwarte jetzt eine Antwort von ihm undHerrn Jacob!, der vielleicht schon bei ihm in Halberstadt seinwird."Jacobi? wer ist der, Herr Kammerjunker?""Wie,Madame? Sie kennen Jacob! nicht? Haben Sie seine Werkenicht gelesen?"Aha! ja, ich besinne mich, ich habe sie recensirtgefunden!""O, die müssen Sie morgen lesen, Madame. Ichwerde sie Ihnen zuschicken." Madame Streuber nahm dies Ver-sprechen an und fuhr fort: ,,O, der gute Gleim! was muß erdoch machen? Ehedem schrieb ich an Ihn.""Was sagen Sie,Madame?" rief der Kammerjunker. Er legte beide Hände auf

*) Ueber Seidenhandel?