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sie bey den Borsten, sie warf ihn, und er ermannte sich, faßte sie nocheinmal und brachte sie vor unsern Schirm getragen, hielt sie fest, undder Herr Dohmdechant gab ihr den fang. Der Herr Graf von Stol-Lerg hat alles in eine Jagdgeschichte zusammengezogen, woraus HerrZacharie ein Helden Gedicht machen soll! — Sehn sie Liebster Freund,wie es Ihrem Gleim hätte gehen können, unterdeß, daß er Jhrent-wegen in so großen Sorgen war. Gottlob daß sie alle umsonst ge-wesen sind! Aber meine Wünsche sind gar zu herzlich, der Himmelmuß sie erhören, die Feinde müssen nicht stehen, nichts unternehmen,wo mein Kleist ist, damit Er in keine Lebens Gefahr komme. Siesollen alt werden Liebster Freund, und wir wollen noch einmahl inunsern alten Tagen bey einander wohnen, und recht vergnügt miteinander seyn. Wenigstens habe ich oft süße Träume hievon.
Das arme Dresden! In was für Angst mögen die armen Ein-wohner gewesen seyn, als es sich in so viel Krieges Gefahr gesehenhat? Aber ist es denn andem, daß bey Abbrennung der PirnaischenVorstadt an 500 Menschen umgekommen sind, wie jemand daher demHerrn Grafen von Stolberg geschrieben hat. Das wäre ja ent-setzlich und erbarmenöwürdig! Von dem Grenadier sGleimj sehe undhöre ich nichts. Doch weiß ich, daß er kein Zorndorsisches SiegesLied gemacht hat, und, daß Er seinen Major sKleists einen Spaßmachen will. Eine Fabel sauf den Ueberfall bei Weißenberg j, dieihn zum Verfasser haben soll, will ich doch gleich abschreiben. BeyIhre Winter Muse werden Sie doch gewiß wieder was machen.
Spielen Sie Trois Septs, denn so schreibt man es ja wohl?sonst lernen Sie es geschwind. Denn das wollen wir spielen, wennwir beysammen sind. Ich habe es vor ein paar Tagen zum ersten mahlgespielt. Adieu Liebster Freund, ich umarme Sie Tausend mahl. MeineNichte zeigt eben das Caffetuch, das sie ihr geschenckt haben, einer Casse-schwester, sagend, Grüßen sie doch Ihren treuen Kleist auch einmahlvon mir. Ihr
getreuester Gleim.
Aus vorstehendem interessanten Briefe findet sich ein Auszug inGleims Leben von Körte S. 110 und 111. Ich habe ihn hier ausdem der gleimischen Familienstistung zu Halbcrstadt gehörigen hand-schriftlichen Briefwechsel vollständig und buchstabengetreu copirt. Am