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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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276

Der König und Gleim.

Zu Potsdam, den 22. December 1785.

Wie heißt der Domdechant?"" Bon HardeuLerg.

Macht der

Auch Verse?"" Mehr als ich!

Macht er sie auch so gut, als Er?""

Ich glaube, nein; mau schmeichelt sich

Am liebsten selbst.Da hat Er Recht! Die Briider

Im heiligen Apoll, die harmoniren nicht.""

Wir harmoniren sehr, denn er macht Kirchenlieder,

Ich nicht, und keiner spricht

Von seinen Versen.Das ist besser,

Als wenn Jhr's thätet! Aber sagt:

Ist Wieland groß, ist Klopstock größer?""

Der, Sire, wäre stolz, der's zu entscheiden wagt.

Er ist nicht stolz?"" Ich bin's in diesem Augenblick,

Sonst eben nicht.Er geht nach Halberstadt zurück,

Jn's hochgelobte Mutterland?""

Ja, Jhro Majestät!Grüß' Er den Domdechant!""

Wenn Friederichs Unterhaltung mit Gleim nicht wörtlich die obigegewesen ist, so scheint doch der Inhalt derselben authentisch.

Sonst finden sich nur noch in einzelnen Briefen aus dieser Zeiteinige Worte hiervon. So schreibt von Stamfort, damals zuPotsdam, an Gleim:Ihre Unterredung mit dem theuern Landes-vater hat hier und in Berlin viel zu reden gegeben, und Ihren hiesigenund dortigen Freunden eine große Freude gemacht. Noch am TageIhrer Abreise von hier, erzählte mir Lucchesini, der König habebei Tische gesagt:Der Kanonikus Gleim hat mir ganz besondersgefallen, und ich habe noch mit keinem Gelehrten gesprochen, an demich so viel Freimüthigkeit und ein so edles, ungezwungenes Wesen (air)bemerkt hätte, als an ihm/"")

')Räch einem Briefe des Herzogs von Braunfchweig-Oels waren Friedrichs Worteüber Gleim: 81 tvus les 8LVLvts allvnmnäs ssroisnb (sie! sollte heißen tziaisnt') eowmses Olsiw, xouirois m'sn aocommoäsr."