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gabte Stranitzkp seine Pritsche und beherrschte den Wiener Ge-schmack. Er sorgte auch noch vor seinem Tode für die Zukunftder Burleske: er stellte dem Publikum seinen Nachfolger vor inder Person Gottfried Prehauser's, der aus den „drei Laufern"am Kohlmarkt stammte. Der junge Hanswurst kniete nieder undbat die Anwesenden um Gotteswillen! sie möchten doch über ihnlachen! Die Anwesenden thaten es, und die Zukunft der Burleskewar gesichert. Andreas Schröter trat ein als Großsprecher —eine schon bei den Römern erscheinende Theaterfigur, — Leinhaaßals Pantalon, Maria Anna Nuthin als Kolombine, und demalso innerlich wohlversehenen Possentheater ward unter Borosiniund Sellier aus zwanzig Jahre das Privilegium des deutschenTheaters verliehen, es ward also bis gegen die Mitte des acht-zehnten Jahrhunderts das Possenspiel fest eingebürgert.
Dies gerade war der Zeitraum — 1730 bis 50, — in welchemDeutschland die erste große Anstrengung machte, ein gebildetesSchauspiel zu gewinnen, eine Anstrengung, welche im Wesent-lichen gelang. Der Anstoß zu dieser schöpferischen Reform gingvon den Mittelstaaten aus und von den Mittelstädten. Wienund Berlin spielten keine Rolle dabei. Berlin am wenigsten;es verhielt sich besonders trag. Es bekam eben 1740 einenKönig, welcher sich für die deutsche Literatur gar nicht interessirte,und die schlesischen Kriege, welche er entzündete, nahmen Berlineben so übel in Anspruch wie Wien. Kleine Fürsten, wie die vonBraunschweig, von Mecklenburg und besonders von Holsteinnahmen sich zuerst des Findelkindes „deutsches Theater" an,und Städte wie Leipzig, Gotha, Hamburg traten an die Spitzeder Reform. Jene kleinen Fürstenthümer, Gotha eingeschlossen,errichteten die ersten Hoftheater, und Leipzig begann unter derDirection der Frau Neuberin principiell die Gründung einesgebildeten Schauspiels. Die Namen „Neuberin", „Eckhof",„Lessing" bezeichnen die Stufen der aufstrebenden deutschen Bühne.
Vom Jahre 1730 etwa datirt der Begriff des gebildetendeutschen Theaters. Da blühte die Direction der Neuberin aufin Leipzig unter der Aegide Gottscheds. 1737 wurde der Hans-wurst verbannt. Man hat Gottsched mit Recht „gottschädlich"genannt, weil er ein Pedant war und den Gott der Kunst wirklichnicht kannte. Aber der streng beginnenden Form war er förderlich.Die Entwickelungen gehen stufenweise, und die erste nöthige Stufe