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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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Wurzel zu greifen. Man dachte an die Censur. Man meinte,die Burleske würde eine Censur, die auf Anstand und Sittedrängte, nicht bestehen können. So meinte man. Aber manirrte sich. Was konnte Baron Reichmann, welcher die Censurübernommen, mit den Stücken machen, die Weiskern jetzt vor-legen mußte? Es waren keine Stücke, es waren nur Umrisse,nur sogenannte Scenarien, die ganz unverfänglich erschienen.Der Dialog fehlte, der wurde eben extemporirt. Es blieb ihmNichts übrig, als anzuordnen, daß sie sichaller Unanständig-keiten und widersinnigen Ausdrücke zu enthalten hätten. ImUebertretungsfalle sollten sie das erste Mal mit einem empfind-lichen Verweis, das zweite Mal mit vierzehntägigem Verhaftund das dritte Mal mit lebenslänglichem Festungsarrest bestraftwerden". Das nutzte nicht viel. Man mochte sich doch nichtentschließen, solch einenspaßigen Patron" lebenslänglich aufdie Festung zu schicken.

Endlich im Jahre 1752 griff die Kaiserin Maria Theresianachdrücklich ein: sie widerrief alle bisherigen Privilegien,hielt die bisherigen Unternehmer auf's Großmüthigste schadlos,und befahl: die Schaubühne aus einen gesitteten Fuß zu setzen.Dem Magistrat wurde die Aufsicht übergeben und erlaubt, eigeneCommissarien zu ernennen. Er ernannte die Grafen Franzv. Esterhäzy und Jacob v. Durazzo. Dem Hrn. Leopold v. Gebierwurde die Verwaltung übergeben, und die Kaiserin bewilligte eineansehnliche Summe als Zuschuß für die Kosten.

Nun begann also das deutsche Schauspiel in Wien endlichunter günstigen Aussichten. Es begann, um sogleich wieder ver-drängt zu werden. Und wunderlich genug! durch das Burg-theater. Dieser kleine Saal wurde in demselben Jahre 1751einer französischen Schauspielergesellschaft eingeräumt, welche ausdem Haag kam. Sie begann auch mitEssex" von Corneilleund der ganze Adel ging zu ihr über.

Hiedurch war wieder auf längere Zeit das aufstrebendedeutsche Schauspiel geschlagen. Die Franzosen drüben im kleinenSaale am Burgthore brachten das ganze ausgebildete Repertoiredes siöols cko Uouis guutorr:«, welches der damaligen Bildungder höheren Stände vollständig entsprach das deutsche Theateram Kärnthnerthore zeigte nur dürftige Anfänge, und Anfänge,welche nicht eben verführerisch waren. Das Neueste war eine