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erhielt mit seinen, „Prädicat" und seinem „Minister" den Bei-fall aller Gebildeten. Für die artistische Führung wurden alleKräste in Bewegung gesetzt: alle vier Wochen war eine Ver-sammlung der Mitglieder unter dem Vorsitze des Grafen Kohary.Die ersten Mitglieder schickten acht Tage vor dieser General-versammlung ihre Meinungen schriftlich ein, und schlugen dieStücke vor, welche im nächsten Monate gegeben werden sollten;man arbeitete Gesetze und Verordnungen aus, welche an Vorsichtund Bildung Nichts zu wünschen übrig ließen — der Zuschauerhätte glauben sollen, es sei nun eine gediegene Zukunft für dasregelmäßige deutsche Schauspiel völlig gesichert.
Und doch gelang es nicht. Warum nicht? Aeußerliche Un-glücksfälle erklären das Mißlingen wohl nicht allein. Allerdingshatte Graf Kohary einen sehr verschuldeten Status übernommenund die Kosten einer Opera, 8eria, opera bulln, eines französischenSchauspiels, eines deutschen Schauspiels und der Ballets warengroß. Das Deficit war größer und größer geworden, Koharymußte einen ökonomischen Director einsetzen, und der vertrug sichnicht mit allen Schauspielern. Spaltungen und Reibungen ent-standen, der gemeinsame Gang gerieth in's Stocken, ja die Wegekreuzten und beschädigten einander von Tag zu Tag empfind- ,licher. Todesfälle kamen hinzu: Michael Lauge starb, die ältere jMademoiselle Jaquet starb, Müller ging ab, und die allmälig !eintretenden Ersatzmänner Weidmann und besonders Bergopzoomererhöhten die einreihenden Intriguen. Mit Letzterem begann dasHerausrufen am Ende des Stücks, und Clique und Claque scheinthereingebrochen zu sein. Der Adel protestirte gegen ökonomischeEinschränkungen und verlangte eine französische Operette, dasGanze krachte in allen Fugen, und der Besuch wurde schwächerund schwächer. Das deutsche Schauspiel namentlich verlor anTheilnahme trotz guter Schauspieler, und gegen Ende des Jahres1775 war allgemeine Wehklage über seinen Verfall.
Der Gedanke drängt sich auf, daß das unermüdliche Unglückeinen tieferen inneren Grund gehabt haben muß. NeuereHistoriker bezeichnen als solchen das complicirte Negierungs- isystem, welchen, das Theater habe erliegen müssen. Intendantenund Directoren mit höchsten und hohen Befugnissen hätten sichgegenseitig gelähmt, Protektionen erzeugt, Parteiungen geradezuerschaffen, und der Mittelpunkt, der eigentliche Regent, habe gefehlt.