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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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schrieb, nahm sich seiner an. Er -wie die Mehrzahl der schönenGeister hatte es mit Begeisterung aufgenommen, daß der Kaiserselbst in Wien eine Nationalbühne schaffen wollte.Wir habenwohl den guten Willen dazu" rief er,ihr aber in Wienallein in eurem trefflichen Kaiser habt auch die Mittel und dieMacht dazu!"

Wirklich fand Müller in Leipzig sogleich einen Liebhaber,welcher sich dem Ideal näherte, Namens Borchers. In einemStücke von Großmann:Henriette, oder: Sieist schonverheirathet"sah er ihn als Sieur Blainville.Dieser junge Mann," schreibter sogleich an den Freiherrn v. Kieumaper,ist ein Beobachterund Nachahmer des großen Eckhof's. Studium der Natur schiensein Leitfaden zu sein. Er spielte vortrefflich. Er ist ungefährso groß wie unser Lange. Seine Gesichtszüge sind mit einerMusculatur begabt, welche sehr Wenige besitzen. Er war ganzder feine, durch moralische Grundsätze gebildete, edle Mann, undblieb bis ans Ende seinem vorgezeichneten Charakter in denkleinsten Nuancen treu. Er machte in diesem Stücke, welchesbei uns noch nicht bekannt ist, einen Franzosen, der die deutscheSprache nach der Grammatik erlernt hat. Anfangs glaubte ich,er dehnte den Dialog. Doch in der richtigen Ausführungdieses, dem Verfasser am besten gerathenen Charakters fand ich,daß er ihn richtig und vollkommen analpsirt hatte. Ich werdeihn bei meiner Rückkehr in verschiedenen Rollen zu sehen trachten,und fände ich Brockmann nicht so, als Se. Durchlaucht derFürst Kaunitz mir die Erfordernisse eines Subjects zu Liebhaber-rolleu vorzeichneten, so werde ich Borchers Anträge machen."

Weiße fragt ihn »ach der Vorstellung, ob denn das Hof-und Nationaltheater auch eine Theaterbibliothek besäße? Müllermuß mit Nein! darauf antworten. Die ist doch sehr nöthigentgegnet Weiße, besonders für angehende Dichter.Manfindet oft in schlechten Produkten Stoff, welchen ein glücklichesGenie vortheilhafter bearbeiten kann." Müller spricht achsel-zuckend von der Censur, welche verschiedene neue Stücke nichteinmal zu lesen erlaube.Da müssen Sie sich," ruft Weiße,an Ihren großen Kaiser wenden! Ein Exemplar, aufbewahrtin der Theaterbibliothek, kann kein Gift verbreiten, wenn fest-gesetzt wird, daß es nicht ausgeliehen, sondern nur in derBibliothek gelesen werden darf."