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heit. Ich habe nie so etwas Vollkommenes gesehen, und glaubenSie mir, daß ich Nichts übertreibe, wenn mir, verglichen miteiner Sacco, eine Sainval oder Vestris nur Marionetten er-scheinen." — „Ihr Beifall hier fängt an zu fallen, weil manso ungerecht ist, sie wegen ihrer unausstehlichen Caprizen, diesie mit allen Virtuosen gemein hat, auch von Seiten der Kunstminder zu schätzen."
„Mademoiselle Nanny Jacquet die ältere (bald MadameAdamberger), ist im Naiven des Lustspiels eben so unnachahm-lich wie Madame Sacco im Tragischen. Es ist nicht möglich,eine verschmitzte Bäuerin oder ein unerzogenes Stadtmädchenwahrer und liebenswürdiger vorzustellen. Aber sie hat nurdiesen Ton, den sie auch dann nicht ablegt, wenn sie als eineFrau von Stande auftreten muß. Ihre Person ist sehr reizend.Sie hat einen ungemein zierlich gebauten Körper und ein ebenso angenehmes Gesicht. Ihr Mienenspiel entspricht vollkommen,und wenn sie ein Bekenntniß ablegen muß, das ihr mißfällt,beißt sie sich auf die Lippen, indem sie eine Grimasse dabeimacht, die ganz der Natur abgeborgt ist. Mit einem Worte,in ihrem Fach hab' ich nie ihres Gleichen gesehen und zweifleauch sehr, ob sich eine findet." — Auch Meyer sagt von ihr:„Sie war ein Schooßkind der Natur und ließ, ohne sich derKunst bewußt zu sein, keine Forderung der Kunst unbefriedigt.Sie gehörte freilich nur dem Lustspiel, schien nur in Wien undseiner Umgebung zu Hause; aber wer sie sah, vergaß, daß esaußerhalb des Lustspiels und Wiens irgend Etwas geben könne,das den Geist zu unterhalten, das Herz zu rühren und zu er-freuen vermöge. Ton, Blick, Gang, Gestalt, Ausdruck, Anzug,Alles war einzig, eigenthümlich, unnachahmlich und reizend.So Etwas lernt sich nicht und kann nicht angewiesen werden;es muß angeboren sein." — „Ihre Schwester Catty (Kathi)Jacquet war die tragische Muse. Kunstbewußter, gehaltener,erzogener, nicht minder wahr, nicht weniger liebenswürdig."Eine sehr große Figur und ein declamirender Vortrag machtensie unpassend für's Conversationsfach. Zärtlich sanfte Rollenim Trauerspiele waren ihre besten. Sie starb früh.
Ueber die von Lessing empfohlene Madame Nouseul sinddie Meinungen getheilt. Der Verfasser der „Bemerkungen"spricht kühl über sie und das Wiener Publikum hat sich eben