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So wurden die ersten achtziger Jahre eine glänzende Theater-epoche für das Hof- und Nationaltheater Kaiser Joseph's. Denner wird auch in dieser Zeit noch als die Seele des Institutesangesehen, obwohl ihn herbe Enttäuschungen im Staatslebenviel mehr bekümmerten als früher. Immer, wenn eine Stockung,eintritt, wenn ein Mißbrauch überhandnimmt, erfolgt von ihni,vom Kaiser selbst, eine energische Weisung, welche belebt oderausgleicht. Unerschütterlich hält er daran fest, das höhere Schau-spiel und Trauerspiel aufgeführt zu sehen. „Schauspiele ingereimten Alexandrinern waren um diese Zeit den BühnenDeutschlands fremd geworden. Joseph rief sie zurück. Schlegel's„Trojanerinnen" und sein trefflicher „Canud", Cronegk's „Codrus"erschienen von neuem. Götter gab seine „Alzire", v. Aprenhoffseine „Kleopatra". Die Schauspieler beeiferten sich, dem Ge-schmack ihres Beschützers Ehre zu machen. Das Publikum theiltediese Vorliebe nicht."
Eben so befahl der Kaiser — des Schröder'schen Ehepaareswegen, — daß Hauptrollen von den ersten Schauspielern ab-wechselnd gespielt werden sollten. Dies „Alterniren" war zwarschon in den Gesetzen vorgeschrieben, aber der „Ausschuß" be-durfte doch dieser erneuten Anordnung. Nicht ohne Geschicklich-keit wußte er sie unwirksam zu machen: man ließ von jetzt andie Namen der Schauspieler von dem Anschlagzettel weg. DasPublikum erfuhr also erst während der Vorstellung, wer dieseoder jene Rolle spielte. Das wurde namentlich bei neuen Stückengefährlich. Anton Wall's „Expedition" zum Beispiel, eine Be-arbeitung des feinen Colle'schen „vupuio et OeZronais^, hatteeine wichtige Vaterrolle, in welcher Schröder und der ältereStephanie alterniren sollten. Man ließ Stephanie den erstenAbend spielen und — es gab keinen zweiten Abend. Stephaniehatte das Stück „durch seine mißlungene Darstellung zu Grabegetragen, und Schröder kam nicht dazu, dieser von ihm mitbesonderem Fleiß einstudirten schweren Rolle wieder aufzuhelfen".
Kurz, der Inhalt des Theaterwesens im Hof- und National-theater bestand während vier Jahren darin, daß ein geheimerKrieg des Ausschusses gegen Schröder geführt würde. Gegenden Schauspieler wie gegen den Schriftsteller Schröder. DerAusschuß verweigerte die Annahme fast jedes Stückes, welchesSchröder einreichte, oder begehrte Aenderungen, welche der Ueber-