Buch 
Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
JPEG-Download
 

85

Bureau des Nationaltheaters, und war bald wieder ausgeschieden,vielleicht weil er noch zu jung war und noch keine rechte Stättefinden konnte zur Wirksamkeit. Einer Kunsthandlung widmeteer die nächsten zwölf Jahre, und in Beobachtung des Theaters,in sorgfältiger Ausbildung seiner Kenntnisse und seines Ge-schmacks bereitete er sich vor zur Führung eines Amtes, welchesreifere Manneskraft verlangt und einen geübten Blick.

Er wurde auch nicht zum sogenannten Theatersecretär er-nannt, weil man eine große reformatorische und schöpferischeThätigkeit von ihm erwartet hätte; das Bedürfniß einer solchenempfand man kaum, und seine Stellung war gar nicht dazu an-gethan, so Besonderes von ihm zu erwarten. Eine solide Thätig-keit aber trat mit ihm ein, geläutert durch hinreichende schön-wissenschaftliche Bildung, unbeirrt von gelehrtem Fachdünkel,welcher das täglich sich erneuernde Leben gering schätzt, getragenvon einem ruhigen Ernste, welcher weiß, was er will.

So begann er unscheinbar. Die Zeitverhältnisse kamen ihmtrefflich zu statten. Eine Friedensära nach den französischenKriegen breitete sich vor ihm aus, die erschöpfte Welt athmeteauf, und war geneigt, sich den Künsten des Friedens hinzugeben,und die Verwaltung des Theaters selbst streckte eben die Waffenund gab einer neuen Thätigkeit allen Raum. Ein Konsortiumvon Cavalieren nämlich, die Esterhüzp, Schwarzenberg, Lobkowitz,Pälffp an der Spitze, hatte inmitten der Kriegsjahre die Di-rektion geführt und hatte sich erschöpft. Nur ein PLlffy warübrig geblieben als Director des Burgtheaters und des Theatersan der Wien, ein äußerst freundlicher, gefälliger Herr. Er über-ließ dem neuen Dramaturgen gern die geistige Leitung, und sostand Schrepvogel einige Jahre lang auch die schöne, großeWiedner Bühne zur Verfügung, welche sich für größere Stückeweit besser eignete, als der dürftige Raum des Burgtheaters.

Man sagt wohl, es sei Schrepvogel die erfolgreiche Leitungdarum leichter gemacht worden, weil die ihm zufallenden Jahr-zehnte ziemlich reich gewesen seien an dichterischer Produktionfür das Theater, und weil sich in diesen Jahrzehnten ungewöhn-lich viel Darstellungstalente entwickelt hätten. Mag sein; aberman muß auch zugestehen, daß er sich hülfreich und einsichtigerwiesen hat für Förderung dramatischer Dichtung, für Auffin-dung und Ausbildung schauspielerischer Talente.