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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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sie zum Theil selbst über ihre Nachkommen brachte; eine Vor-stellungsart, welche dem jüdischen und christlichen Lehrbegrifseeben nicht widerspricht. Der verstärkte Antrieb zum Bösen, derin dem angeerbten Blute liegen kann, hebt die Willensfreiheitund die moralische Zurechnung nicht auf. Die Sophisterei derLeidenschaften, welche der Verfasser seinen tragischen Personenin den Mund legt, ist nicht sein Glaubensbekenntniß; so wenigals die zufällige Wahl eines märchenhaften Stoffes einen Beweisgegen die Orthodoxie seiner Kunstansichten abgiebt. Der Ver-fasser kennt die Schule nicht, zu der man ihn zu zählen beliebt,und er weiß nicht, mit welchem Rechte man einen Schriftsteller,der ohne Anmaßung und ohne Zusammenhang mit irgend einerPartei zum ersten Mal im Publikum auftritt, Ungereimtheitenzur Last legt, die von Anderen, sei es auch zu seinem Lobe,gesagt werden mögen."

Umsonst! Die Schicksalsidee, durch Werner'sVierund-zwanzigsten Februar" und durch Müllner's kurz vorher er-schieneneSchuld" in die ästhetische Debatte gebracht, war einzu bequemes Thema für weise scheltende Kritik, als daß mandraußen im Reiche" von der Ablehnung des jungen Dichter'sNotiz genommen hätte. Er war hiermit einmal classificirt, unddie Klassennummer ist ihm angeheftet geblieben, obwohl seinedramatischen Dichtungen gar nicht paßten in die Nummernclasse.Die deutsche Kritik hat sich kaum je eine ärgere Blöße gegeben,als in der oberflächlichen Beurtheiluug Grillparzer's. Noch heuteweiß sie es nicht, daß nach Goethe und Schiller keine dichterischeKraft im Drama unter uns aufgewachsen ist, welche einenclassischen Platz mit so gutem Grunde einzunehmen berufen ist,als die Franz Grillparzer's. Eine Reihe von Jahren glaubteman, Heinrich von Kleist diesen nächsten Platz vorbehalten zudürfen. Aber die Reife der Zeit ist entscheidend für classischeAnsprüche, und die Erfahrungen namentlich auf der Bühne,welche ein Prüfstein des Bestandes ist, haben nicht für dieKleist'sche Reife gestimmt. Die krankhafte Ader der Absonderlich-keit, welche all' seine Stücke durchdringt, ist dem Publikum vonJahr zu Jahr sichtlicher und störender geworden. Noch in denersten fünfziger Jahren fand dasKäthchen von Heilbronn" undselbst der sonnambülePrinz von Homburg" eine leidlich theil-nehmende Zuhörerschaft im Burgtheater; in den sechsziger Jahren