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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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In demselben Jahre 1814 am 29. December wurdeSchiller'sMaria Stuart" zum ersten Male aufgeführt.

1815Correggio" von Oehlenschläger. Dies Stück hat sichauf dem Burgtheater allein gehalten trotz seines unangenehmenAusgangs, welcher den Helden unter einem Sack voll Kupfer-münze verschmachten und erliegen läßt. Der erste Eindruck wirdnirgend so respectirt, wie beim Wiener Theaterpublikum.Es ist dies eben auch heute noch! ein geschlossenesTheaterpublikum, welches getreulich festhält an seinen Traditionen.Hat ein Stück einmal gefallen, so bleibt ihm der gute Ruf un-wandelbar treu. Noch sünfunddreißig Jahre nach der erstenglücklichen Aufführung ward dies schwächliche Stück mit günstigerVormeinung angeschaut, als Korn zum letzten Male spielte undmit seinem Guilio Romano von der Bühne schied. Fünfund-dreißig Jahre lang hatte er dieselbe Rolle gespielt. Sie gingan Fichtner über, und das Stück fristete sein Leben noch, wennauch dürftiger, vor einem neuen, viel kritischeren Geschlechte.Eine erste Aufführung würde es heute, auch mit der besten Be-setzung, kaum bestehen.

In demselben Jahre warDer Rehbock" von Kotzebue neu,ein sehr lascives Stück, welches dem damaligen Publikum sehrgefiel und mit seinen üppigen Zweideutigkeiten keinerlei Anstoßerregte. Ich führe dies an als ein Symptom des Zeitgeschmacks.Das achtzehnte Jahrhundert war in den sogenannten Natürlich-keiten ungemein nachsichtig, und diese Eigenschaft lebte im Burg-theater fort beinahe bis gegen die Mitte des neunzehnten Jahr-hunderts. Ein alter Oekonom des Burgtheaters versprach sich1850 goldene Einnahmen, wenn der leider ob seiner Lüderlich-keit aus dem Repertoire gestoßeneRehbock" wieder gegebenwerden dürfte. Wie sehr dies aber dem Geschmack unserer Zeitwiderspricht, konnte ich recht deutlich an Schröder'sKlingsberg"erkennen, welcher an allen Ecken und Enden gemildert und ver-feinert werden mußte bei einer Wiederaufnahme in den fünf-ziger Jahren, und dennoch als sehr gröblich auffiel. Und diesezwei Klingsberg-Stücke sind Wiener Stücke, denen Schrödereinen völlig wienerischen Typus verliehen hatte! Die heutigenWiener aber erschraken über den freien Ton ihrer Väter und Mütter.

Die Schuld" war 1813 neu gewesen und hatte durchklingende Verse und einen spannenden Inhalt außerordentliches