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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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ich beibehielt. Auch Don Cesar ist, zum Theil nach Gozzi'sUmrissen, mehr ausgebildet worden."

Schreyvogel spricht in den Vorreden zu seinen Bearbeitungenimmer so einfach und bescheiden. In Wahrheit sind diese Be-arbeitungen in vielem Betracht selbständige Arbeiten. DieVer-schiedenheit des Nationalgeschmacks" war ihm ein fester Leitstern,nach welchem er, vom Original abweichend, selbständig vorging.Seine Vorreden zumLeben ein Traum" zeigen dies deutlich,und entwickeln darüber, wenn auch mit wenig Worten, bestimmteGrundsätze.

Der große Erfolg dieserDonna Diana" war ein sehr folgen-reicher für das Burgtheater, er begründete eine Geschmacks-richtung für poetisches, formell sauber ausgearbeitetes Lustspiel,welchem das Publikum des Burgtheaters treu geblieben ist.Süddeutsches Naturell, steter Wechselverkehr mit Italien magdiese Richtung und Neigung unterstützt haben. Sie ist auch fürden feineren Ton in jedem höheren Lustspiele einflußreich ge-blieben bis auf die heutige Zeit.

DerDonna Diana" war die Bearbeitung des Calderon'schenLeben ein Traum von C. A. West" vorausgegangen. Siehatte, im Theater an der Wien zuerst aufgeführt, ebenfallsgünstige Wirkung gehabt, war aber in Form und Wesen nichtso charakteristisch neu gewesen sür das Burgtheater. Das Cal-deron'sche Stück war schon im Jahre 1760 auf dem kaiserlichenStadttheater in Wien (Kärnthnerthor-Theater) dargestellt wordenunter dem TitelDas menschliche Leben ist ein Traum, in fünfActen, aus dem Italienischen (Im vitn s un soZrio) übersetztund in deutsche Verse gebracht von M. Jul. Friedrich Scharsen-stein", und Herr von Einsiedel hatte eine getreue Uebersetzungdes Calderon'schen Stückes einige Jahre vor der West'schen Be-arbeitung in Weimar zur Aufführung gebracht.

Schreyvogel sagt mit Recht, daß eine Uebersetzung unsererBühne nicht genügen könne. Er setzt sogar hinzu:Um diesemSchauspiele diejenige Form zu geben, worin es als ein bleibenderErwerb unserer dramatischen Literatur betrachtet werden könnte,müßte es, nach der Idee des Originals, mit völliger Freiheilneu geschaffen werden. Bis das geschieht, mag die gegenwärtigeBearbeitung in der Gestalt bestehen, in welcher sie Eingang aufden Theatern und bei dem großen Publikum gefunden hat."