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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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dürfe nichts Gemeines und Unwürdiges bieten, aber er müssemannigfach und reichlich bieten. Aufmerksam auf die edlerenRegungen im Publikum, müsse nur der Aufseher des Marktesstets bedacht und beeilt sein, die im Kern schwache oder schad-hafte Waare bei Zeiten verschwinden zu lassen. Uebergroßeprincipielle Strenge gefährde auch die Entwickelung neuer schöpfe-rischer Talente, welche sich zumeist erst im Anschauen ihrer Stückeläuterten.

Wenn man jetzt die Houwald'schen Stücke liest, so wundertman sich freilich, daß solche weichliche und schwammige Com-position das allgemeine Interesse habe gewinnen können. Unddoch war dem so.Das Bild" machte 1821 Furore. Diekrankhafte Liebesseligkeit des Malers Spinarosa und für ihnrührte alle Frauenherzen, und die Theatererfolge bei den Frauensind die breitesten. Den Frauen ist das sentimentale Dramadie wichtigste Staatsaction, und die Männer müssen darantheilnehmen, wenn sie nicht den Adel ihres Herzens ver-dächtigen wollen. Kleinere Stücke selbst, wieFluch und Segen",Der Leuchtthurm",Die Heimkehr", füllten die TheaterJahre lang.

Eben so merkwürdig ist, wie derlei Wirkungen allmälig auf-hören. Oft ohne ersichtlichen Anstoß. Der niederlausitz'scheGutsbesitzer von Houwald, ein wohlwollender Mann, ist gar nichtsonderlich behelligt worden durch kritische Widersacher, sondernes hat sich nach einigen Jahren von selbst ergeben, daß man andieser thränenweichen Marklosigkeit kein hinreichendes Gefallenmehr finde. Das bemerkt eine Theaterdirection sehr bald, unddie Stücke sind gewesen.

Von strengeren Sehnen waren die großen Stücke, wieBelisar" von Eduard von Schenk. Sie waren auch in größeremStyle geführt, und die mächtige Figur des berühmten Helden-vaters Eßlair stellte sie aus Gastreisen dem verschiedenartigstenPublikum dar. Aber mit dem stattlich ausgerüsteten Helden-vater ging sie auch vorüber. Anschütz, welcher diese Rollen imBurgtheater trug, übertraf vielleicht Eßlair in Nüancirung derRede, hatte aber in Gestalt und Wesen nicht das Heidenmäßige,welches für den Eindruck der Schenk'schen Rollen nöthig war.Die Stücke imponirten auch mit ihm eine Zeitlang, so lang ebendieses Pathos in fernen Staatsbegebenheiten Anklang fand.