Buch 
Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
JPEG-Download
 

101

glieder angenommen in Unterweisung, Bemerkungen undWinken.

1813 verließ sie Hamburg. Sie hatte sich auf der Sceneals Patriotin compromittirt vor den Franzosen, welche unterDavoust Hamburg besetzt hatten und so lange besetzt hielten.Wunderlich genug soll dies durch eine russische Cocarde geschehensein, welche sie in einem Kotzebue'schen Gelegenheitsstücke:DieRuffen in Deutschland", auf der Scene getragen hatte, alsTettenborn eben vorübergehend mit Kosaken nach Hamburg ge-kommen war. Sie hatte russische Jugend-Erinnerungen, unddie Ruffen waren damals unsere Verbündeten gegen die Fran-zosen. Davoust wollte sie zwingen, mit der französischen Tricoloreaufzutreten, und da ist sie des Nachts entflohen.

Sie gastirte eine Zeitlang und ließ sich in Prag nieder. Vonda kam sie 1815 zum zweitenmale nach Wien und wurde imBurgtheater engagirt.

Hier fand sie wieder einen wichtigen artistischen Führer inSchrepvogel, und fand für große Stücke das schöne Theater ander Wien, welches wie gesagt damals unter einerCavalier-Direction mit dem Burgtheater verbunden war.

Vierzehn Jahre dauerte dies Engagement, und erst im viertenJahre desselben 1818 ist sie in das Fach übergetreten,welches sie zur großen Schauspielerin gemacht hat, in das Fachder Heldenmütter. Denn weder als naives Mädchen, noch selbstals tragische Liebhaberin, sondern als Heldin und Heldenmuttersteht sie obenan in der deutschen Theatergeschichte.

Eine äußerliche Veranlassung hatte sie früh zum Uebergangein dies Fach getrieben. Sie hatte eine schwere Krankheit durch-gemacht, und diese Krankheit hatte ihr Aeußeres ganz verändert.Sie war dick geworden, was allerdings eine mißliche Zugabewar für ihren kleinen Körper. So erschien sie eines Abends inrasch übernommener Stellvertretung der gastirenden, und plötzlicherkrankten Frau Stich vor dem überraschten Wiener Publikum.Es geschah in der Rolle der Elvira in derSchuld", und alsHugo von dem Gürtel sprach, welchen er ihr um denschlankenLeib" binden wollte, da lachte das Publikum, eine Unart derWiener, welche manches Stück und manchen Künstler verstört hat.

Zweimal hat diese Unart tief eingewirkt auf die Laufbahnder Schröder. Jetzt dahin, daß sie die Liebhaberinnen aufgab.