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Dieser Schrei, allerdings rhetorisch vorbereitet, war nicht blosrhetorisch, er enthüllte die ganze Macht des dramatischen Momentes.
Ich ging aus dem Theater mit dem zweifelfreien Gedanken,eine classische Darstellerin der Jsabella gesehen zu haben. Nuranfangs hatte ich bedauert, daß ihr nicht eine stattlichere äußereErscheinung verliehen war. Das Bedauern war indessen nichtlebhaft gewesen und wurde bald völlig vergessen.
Hatte sie Leidenschaft genug? Die Darstellung der Jsabellagiebt wohl Anhalt zur Beantwortung dieser Frage, aber dochnur Anhalt. Mit diesem Anhalt würde ich mir zu sagen ge-trauen: Ja, sie hatte Leidenschaft genug. Ihre persönliche Be-kanntschaft giebt mir weitere Anhaltspunkte mehrfacher Art.Sie war eine tief ernsthafte, strenge Natur und hat mich in ihrenAeußerungen wohl an puritanische Leidenschaften aus CromwellsNähe erinnert. Nicht an die Leidenschaft des Südens, wohlaber an die schonungslos leidenschaftlichen Ausbrüche der Nord-landsrecken. Das beliebte Schlagwort älterer Leute heißt„dämonisch", wenn sie von diesen Schröder'schen Ausbrüchensprechen. Ich glaube, sie haben nicht ganz Unrecht, aber auchkaum ganz Recht. Wir suchen im „Dämonischen" ein gutesTheil wilder Phantasie, weltstürmenden, völlig unabhängigenGedankens. Den gerade hab' ich nie wahrgenommen in ihr;ich habe sie nie gedankenreich, nie ungestüm und dreist in derGedankenwelt gefunden. Ihre Kraft war die eines starken Wil-lens, mächtiger, unnahbarer Entschlüsse. In diesem Bereichewerden sich auch ihre stärksten Rollen finden, und man sprichtgewiß mit Fug und Recht von ihrer außerordentlichen LadyMacbeth.
Eine rationell erwachsende Leidenschaft besaß sie gewiß instarkem Grade. Desgleichen die Leidenschaft eines herben, jaharten Naturells. Schwerlich die einer warmen Gluth.
Und nun endlich: Besaß sie Schönheit genug? Man wirddie Frage nicht mißverstehen und an die blos äußerliche Schön-heit der Erscheinung denken. Diese besaß sie bekanntlich nicht.Sie war klein und mehr robust als schön gebaut. Auch imAntlitz waren starke Knochen und eine kurze Nase dem schönenEindrucke nicht förderlich. Das Alles hindert nicht, im Ganzenund namentlich in der Bewegung des Körpers ästhetisch schönzu wirken. Das vermochte sie. Sie hatte eine so lange, so