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mannigfache und so gründliche Schule durchgemacht, daß ihrvolles Ebenmaß der Haltung und des körperlichen Ausdrucksganz und gar zu eigen war. Alle Schilderungen ihrer antikenRollen stimmen darin überein, und ihre Jsabella hat es mir inallen Richtungen bestätigt. König Ludwig I. von Bayern hatzu ihr gesagt: Schröder, Ihre Grazie liegt in Ihrem classischschönen Oberarme!
Was die Schönheit in mehr äußerlicher Bedeutung betrifft,in der Bedeutung, daß die bloße Erscheinung gewinnend undliebenswürdig sei, darüber ist sie selbst beizeiten streng gegensich gewesen im eigenen Zutrauen. Das alte Soufflirbuch des„Goldenen Vließes" in der Abtheilung „Die Argonauten" hatmir darüber einen merkwürdigen Aufschluß gegeben. In diesen„Argonauten" ist vielfach von dem, wenn auch wilden, Mädchen-reize der Medea die Rede in den Liebesscenen mit Jason. MitSchrecken sah ich, daß all' das gestrichen war. Was auf Medea'sLiebreiz nur irgendwie hindeutete, war ausgelöscht. Das hatteSophie Schröder nicht passend erachtet für sich. Es blieb nunfreilich unklar aus Kosten der Dichtung, woher denn wohl dieNeigung Jason's stammte; aber die Darstellerin der Medea warnun gesichert, daß man ihr Nichts von einer Liebhaberin zu-trauen durfte. Ich habe deshalb gewiß auch in ihrem Sinnegesagt, daß ihre volle und reine Größe erst begann, als sie zumFache der Heldin und Heldenmutter überging. Hier konnte sichvon ihrem durchwegs strengen Naturell Alles vollständig geltendmachen, hier konnte die seltene große Schauspielerin entstehen.
Das ist sie gewesen. Das ergiebt sich für mich schon ausden geringen Erfahrungen, welche ich persönlich von ihrer Dar-stellung gewonnen habe. Das Wesen einer Heroine erschien inihr echt und natürlich und hoch erhoben durch ihre Darstellungs-kunst. Eine Anzahl ihrer strengen Rollen wird in unsererTheatergeschichte immer Schröderisch genannt werden, undSchröderisch wird so viel bedeuten als classisch.
In ihrem eigentlichen Fache steht sie unerreicht und einzigda, ein Vorbild für die deutsche Schauspielerwelt.
1868 ist sie in München gestorben.
Merkwürdig genug finde ich in den Cassenausweisen desBurgtheaters, daß der Besuch des Publikums bei diesen ihrenbesten Leistungen, wie Sappho und Medea, sehr schwach gewesen