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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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Personal und zu den vorhandenen schönen Kräften waren ebenneue wie Frln. Caroline Müller, Frln. Peche, Frln. Gley (diespätere Rettich) gekommen, kamen neue wie Karl Laroche; esentwickelten sich während seiner Direction heimathliche Talentewie Bauernfeld und Friedrich Halm. Letzterer brachte ihm einZugstück wieGriseldis". Bauernfeld, der mit dem leichtenLeichtsinn aus Liebe" schon unter Schreyvogel das Publikumgewonnen, gab ihm Stück auf Stück, darunter seine besten. DieFranzosen waren, wie gesagt, in voller Verve, und die WienerGesellschaft kam auch dem nichtigsten französischen Kram mitgrößter Theilnahme entgegen und dennoch ging das Theaterabwärts und verlor seinen Ruf.

Die beste Armee unter günstigsten Verhältnissen wird ebenNichts ausrichten, und wird sich erfolglos aufreiben, wenn ihrder Feldherr fehlt.

Man ließ die Maschine arbeiten, wie es dem Tage gefielund wie es den Herren Regisseuren bequem war. Irgend einPrincip, irgend ein leitender Gedanke war nicht vorhanden.Unterhaltung! war das Hauptwort. Koch, Castelli, Kurländer,Caroline Müller, die Schauspielerin, vr. Römer und sonst nochBerufene arbeiteten um die Wette an französischen Uebersetzungen,Einer immer schlechter als der Andere.

Ich war in den ersten Jahren der Deinhardstein'schenDirection einmal in Wien und habe diesem nichtigen Treibenim Burgtheater einige Wochen zugesehen. Hr. v. Kurländerzeigte mir seinen kleinen Salon mit Möbeln aus weißem Holze,und erzählte mir glückselig, wie hier die Creme der hohen Ge-sellschaft die charmanten französischen Stückchen anhöre, welchedann von Caroline Müller, Korn, Fichtner, Herzfeld so charmantgespielt würden in der Burg. Und als ich ihm bemerkte, ichhätte den Tag vorher eines gesehen und hätte gefunden, daß esin besseres Deutsch übersetzt werden könnte, da drohte er gut-müthig mit dem Finger und rief: Ach, ihr seid eben Puristenund Pedanten, ihr da draußen. Hier sind wir natürlicher.

Was hätte mit diesem reichen Personal bewirkt werdenkönnen! In Caroline Müller war eine Salondame oowiue ilkaut gewonnen worden, eine Frau von Verstand und Esprit;in Frln. Peche eine reizende sentimentale Liebhaberin, freilichmit böhmischem Accente; doch dafür war man damals nicht em-

Laube, Burgthenter. 2 . Anst. 8