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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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ist, so lange er in diesem Kreise mehrfach in's Schwarze trifft.Und das kann man Bauernfeld nicht absprechen.

Er brachte jedenfalls einen Dialog, wie er seit Kotzebue aufder deutschen Bühne gefehlt hatte. Ich weiß, daß die nach-sprechende deutsche Kritik sich bekreuzigt bei solchem LobeKotzebue's; aber ich weiß auch, daß diese Bekreuzigung aus Un-kenntniß stammt. Weil vom höheren Standpunkte eine Op-position gegen den leichtfertigen Kotzebue mit gutem Fugangeschlagen wurde, hat die Nachfolge nicht das Recht, dieOpposition auch auf das zu erstrecken, was mit seinen FehlernNichts gemein hatte. Ich fand noch zahlreiche Kotzebue'scheStücke auf dem Repertoire des Burgtheaters. Durch kritischeErziehung gegen sie eingenommen, ließ ich die Mehrzahl fallen.Und ich glaube mit Recht, weil sie im Stoffe veraltet, in derMotivirung lüderlich waren. Aber eine quasi historischeCharakteristik, wie dieBeiden Klingsberge", ließ ich bestehen,da auch das Publikum sie bestehen ließ, und in allen Kotzebue-schen Stücken, auch in denen, die ich verwerfen mußte, über-raschte mich eine schlagende Lebendigkeit des Dialogs.

Eine ganz ähnliche Ader pulsirt in den Bauernfeld'schenStücken. Bauernfeld's Dialog ist beschränkter in seinem Kreise,er ist deshalb oft nur gewandelt innerhalb derselben geistigenWendung und wird deshalb von Manchem manierirt gescholten;aber zum Ersatz dafür ist er auch oft gehaltvoller als derKotzebue'sche. Er erwächst bei Bauernfeld aus bestimmter Ge-sinnung und hat also zur Unterlage eine bestimmte Grund-anschauung aller öffentlichen und aller höheren Dinge. Das giebtihm einen bestimmten Halt, also gerade das, was Kotzebue fehlte.

Für Wien und Wiens Haupttheater war ein solcher, nochdazu einheimischer Lustspieldichter unschätzbar. Auf keinem deut-schen Theater ist der Dialog so wichtig, als in Wien, eben weildas österreichische Publikum ein Lustspielpublikum ist und un-gemein rasch das Colorit und den bewegten Hauch eines Stückesaufzufassen pflegt. Dies Publikum wurde stets belebt durchBauernfeld's Stücke, und diese Belebung kam und kommt demTheater immer zu statten. Gleichgültigkeit ist ja dasSchlimmste, was einem öffentlichen Institute begegnen kann;sie allein tödtet jede Kunst. Niemand mehr als Bauernfeld hatdas Burgtheater vor der tödtlichen Gleichgültigkeit bewahrt.

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