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deutsche Theaterproduction hat immer daran gekrankt, daß sienicht realen Boden genug hatte, aus welchem ihre Bäumewachsen konnten, daran gekrankt, daß sie nicht unterstützt wirdvon wahrhaft lebendigem Leben, sondern daß sie vorzugsweisein erträumten Gegenden und Stoffen Nahrung suchen muß.
Der zweite Dichter freilich, welcher in den dreißiger Jahrendem Burgtheater Unterhalt brachte, war hierin das blanke Wider-spiel Bauernfeld'scher Muse. Der Actualität Bauernfeld's, wieder Diplomat die Wirklichkeit nennt, trat 1835 die unrealstePhantasie auf die Fersen. Ein Dichter erschien auf dem Burg-theater, welcher in den Geschichtskreisen von Aeneas bis Sampierounbeachtete Gestalten suchte und die Conflicte aus dem Fingersog. Es war gewiß ein Zeichen von reichem Talent, daß er mitso weit abliegenden und so künstlich erdachten Themen den Bei-sall des Theaterpublikunis erringen konnte.
Dieser Dichter war Friedrich Halm (Baron von Münch-Bellinghausen), dessen „Griseldis" 1835 zum ersten Male imBurgtheater aufgeführt wurde. Am ersten Abende spielte Fräu-lein Peche die Griseldis, und der Erfolg war zweifelhaft. Amzweiten Abende Frau Rettich, und der Erfolg war außerordent-lich. Das Stück machte die Theaterrunde und erzwäng sichüberall großen Beifall. Ich sage absichtlich „erzwäng", denn esfand überall heftige Gegnerschaft, und zwar in den gebildetenKreisen. Es verschwand auch überall wieder gänzlich, nachdemes wie eine Sturmfluth überall hingedrungen war. Ganz ähn-lich erging es einem zweiten Stücke desselben Autors, welches1842 im Burgtheater erschien, dem „Sohn der Wildniß". DasTalent der Fassung errang ihm wiederum starke Wirkung inallen Theatern, der Inhalt aber entzog ihm die Zustimmungder Gebildeten, entzog ihm die Dauer. Glänzende Hauptrollenfür Gastspieler verschafften diesen Stücken jeweilige Wiederkehr,aber das widerspricht Obigem nicht, das ist Meteorenthum.Oder vielmehr es war's, denn auch diese Gastrollen haben auf-gehört. Repertoirestücke der Nation werden nur solche, denendie gebildeten Kreise der Nation Theilnahme zuwenden. Unddas ist nur da der Fall, wo der Inhalt und die Form gleich-mäßig ansprechen. Die Form allein bewirkt das nie. Deshalbhat unsere Literaturgeschichte einen bestimmten Abschnitt errichtetfür talentvolle Productionen, denen der Kern der Wahrhaftigkeit