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In diesen dreißiger Jahren erstand für das Theater nochein producirendes Talent, und war namentlich für das Burg-theater ein sicherer Gewinn. Denn es entsprang in einer Lebens-sphäre, welche von selbst Rücksicht nahm auf alle Censur-schwierigkeiten. Eine Prinzessin aus regierendem Hause tratanonym auf mit Schauspielen. Prinzessin Amalie von Sachsendebutirte mit „Lüge und Wahrheit"; es folgte „Der Oheim",„Der Landwirth" und so fort Jahr für Jahr ein neues Stück.Welch eine sichere Rente für den Director, da die Stücke auchdem Publikum willkommen waren! Die Kritik hat sie etwas zuvornehm ignorirt. Es waren anspruchslose und in der Thatangenehme Produktionen. Ein reines Gemüth und ein an-sprechendes Talent traten darin dem Zuschauer freundlichenAuges entgegen. Der Stand einer Prinzessin hat die Verfasserinfreilich wohl gehindert, das Leben und die Menschen in vollerMannigfaltigkeit und auch in den Abgründen kennen zu lernen.Die Schatten der Gemälde sind leicht, die Lichter zu unbeschränkt;man lebt in einer abgesonderten kleinen Welt. Aber für eintäglich spielendes Theater sind auch solche Bilder werthvoll.
Auch Grillparzer zeigte sich noch in voller Schöpfungskraft.1831 hatte er die schöne Liebestragödie von Hero und Leander,„Des Meeres und der Liebe Wellen" (ein Titel wienerischenGeschmacks, den ich nicht preisen möchte), ein volles Seitenbildzu Shakespeare's „Romeo und Julie", zur Aufführung gegeben.Leider fand das Gedicht nur in seiner ersten Hälfte volle Wirkungund verschwand nach einigen Vorstellungen vom Repertoire.Frau Rettich spielte die Hero, Fichtner den Leander. Ich mußvoraussetzen, daß es in der Darstellung und Jnscenesetzung anetwas Wesentlichem gemangelt hat, denn ich habe zwanzig Jahrespäter das verlorengegangene Stück wieder aufgenommen unddie schönste wie dauerndste Wirkung mit ihm erzielt. Man sagtwohl zur Entschuldigung, das Publikum sei damals noch nichtreif gewesen für solche classische Gabe. Aber das leuchtet mirnicht ein. Das Publikum war schon fünfzehn Jahre früher reiffür die „Sappho" und hatte unter Schrepvogel's Führung großeFortschritte gemacht. Frau Rettich, eine norddeutsche Natur,brachte wohl für die Hero nicht das freie und schöne Sinnen-element mit, welches unentbehrlich ist für diese Rolle der freienund schönen Hingebung, und außerdem haben die letzten Acte,