XIII.
Der Erfolg der „Cäsar" - Vorstellung war ein vollständiger.Er erwarb der Direction ein volles Zutrauen. Und dieses Zu-trauen hat mir das Publikum mit liebenswürdiger Nachsicht fürall' meine Gebrechen bis zu meiner letzten Directionsstunde imBurgtheater bewahrt. Ich bin dafür dem Wiener Publikum zutiefem Danke verpflichtet.
„Julius Cäsar" gewann hiedurch eine feste Dauer. Trotzwarmer Sommerszeit konnte er bis zu den Ferien, bis EndeJuni, sechsmal bei vollem Hause gegeben und nach den Ferienin demselben Jahre ebenso oft wiederholt werden. Ja, er übteseine Anziehungskraft einer Novität auch das nächste Jahr ausund ist alsdann Jahr für Jahr zahlreich wiederholt worden.
Ein römisches Stück ohne Liebes-Jntrigue, nur große Staats-ereignisse darstellend, und mit schwachem Schlüsse!
Wäre das in einer andern deutschen Stadt, wäre das inBerlin möglich? Kaum. Man giebt dort ai^ch „Julius Cäsar",aber er erscheint nur nach langen Zwischenräumen. Und dochhätte Berlin einem strengen Shakespeare-Stücke gegenüber garMancherlei voraus gegen Wien. Die Shakespeare-Muse stehtdem dortigen Publikum wirklich näher. Die norddeutscheLandesart ist der englischen schon verwandter; die literarischeBildung ist zahlreicher verbreitet durch gute Schulen, und derprotestantische Geist kommt der Shakespeare'schen Gedankenweltvorbereitet entgegen, denn Shakespeare's Gedankenwelt entsprangja der protestantischen Freiheit im Denken. Da wäre also dochVorsprang genug, um den mangelnden Romanreiz eines strengpolitischen Stückes leichter entbehren zu können. Noch mehr:das Wiener Publikum ist zwar dem Berliner darin voraus, daßes die Schönheit eines Stückes rascher und wärmer auffaßt, aberdas Berliner folgt einer verständigen Komposition ruhiger und