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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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überlegter, es erschrickt deßhalb weniger vor consequenten starkenAusbrüchen einer solchen Komposition; es hat Nerven, welchedurch systematische Literarbildung stärker gehärtet sind.Othello"zum Beispiel, dasjenige Stück Shakespeares, welches am folge-richtigsten motivirt und geführt ist, wird in Wien immer bisaus einen gewissen Grad gescheut und gefürchtet. Die Aus-brüche Othello'scher Art haben für das eigentliche Burgtheater-Publikum stets etwas Erschreckendes und Bedenkliches und müssendurch Shakespeare's Namen gedeckt werden. Das ist in Berlinganz anders. Die Folgerichtigkeit, wenn auch noch so grimmvoll,sagt dem dortigen Sinne zu.Othello" ist in Berlin geradezupopulär.

Und trotz aller dieser Eigenschaften des Näherstehens würdeein Stück wieJulius Cäsar" dort schwerlich eine so mächtigeund andauernde Theaterwirkung machen, wie es sie in Wienvon 1850 an gemacht hat. Dazu ist ein warmer Theatersinn,ist ein schöner Enthusiasmus für ein großes, neues Stück er-forderlich, und der naive Respect des Wieners für eine Größe,welche ihm unerwartet entgegentritt. Diese naive Empfängnißist und bleibt eine unschätzbare Eigenschaft des WienerPublikums. Sie bringt allerdings manchmal zur Verzweiflung,wenn sie sich durch Mangel an Kenntniß verleiten läßt, jedefremdartige Aeußerlichkeit heiter und lustig zu begrüßen, undjedes Befremdliche kurzweg anzulachen oder gar auszulachen.Aber den eingebogen künstlerischen Grundton verleugnet dasgroße Wiener Publikum nie. Es erkennt das Echte in derKunst immer und huldigt ihm stets mit Hingebung. Und geradedie Hingebung ist ihm so eigenthümlich wie dem PariserPublikum. Ihr vorzugsweise verdankt es Wien, daß es nochein gutes Schauspiel haben kann, während die anderen deutschenStädte es immer mehr entbehren müssen. Diese Hingebung er-höht den Dichter und erhöht den Schauspieler.

FürJulius Cäsar" waren übrigens auch die Revolutions-stöße, welche Wien kurz vorher erschüttert hatten, eineVorschule gewesen zu geneigtem Verständniß. Die römischeRevolution im Stücke weckte helle Erinnerungen. Nament-lich die Volksscenen thaten dies, indem sie die Wankelmüthigkeitund den jähen Wechsel der Volksstimmung zeigten.

Aber bei all diesen Erklärungen erscheint mir immer die