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Hunderts ein alter russischer Fürst, der konnte vierzig Jahrenach Erscheinen der „Räuber" sein Entsetzen über dies Stücknicht loswerden. Es hatte sich zum Haß ausgebildet, er haßtedie „Räuber" wie die Sünde, und so oft sie in Dresden auf-geführt wurden, so oft wiederholte er folgende Worte: „Wennich Gott selber wäre und im Begriff stünde, diese Welt zu schaffen,zugleich aber voraussähe, daß die „Räuber" in dieser Welt ge-schrieben und mit Beifall aufgeführt werden sollten — ich ließediese Welt ungeschaffen."
Zu unwilligem Erschrecken des Dresdener Intendanten, desHerrn v. Lüttichau, hatte ich in den „Karlsschüleru" diese Wortedem Herzoge Karl in den Mund gelegt. Herr v. Lüttichau be-schwor mich, diese Uebertreibung zu streichen. Sie hätte ihnlange genug von dem alten Russen geärgert. Ich lehnte dasaber lächelnd ab.
Jetzt kam die Strafe. „Die Räuber", welche ich nunbrauchte, waren auf dem Punkte, lächelnd abgelehnt zu werden.Ein Mitglied meiner Behörde hatte diese russischen Worte ausden „Karlsschülern" kennen gelernt und citirte sie in diesemkritischen Augenblicke. Glücklicherweise ging dies Mitglied,welches wirklich ebenfalls einen tiefen Abscheu hegte vor den„Räubern", in seiner anklagenden Beweisführung bis zumAeußersten: es malte die Folgen einer „Räuber"-Aufführungdahin aus, daß junge Leute in Mähren oder Böhmen dadurchveranlaßt werden könnten, auch heutigentags in die böhmischenWälder zu ziehen und eine Räuberbande zu bilden —!
Das wirkte, wie jede Uebertreibung wirkt. Warum nichtgar! rief der Chef, und gab die Erlaubniß zur Aufführung der„Räuber" — freilich zunächst nur für den Wohlthätigkeitszweck.Meine Sorge war nun, das Stück für immer zu gewinnen, in-dem ich es so zur Anschauung brächte, wie es wirklich ist, näm-lich unter Hervorhebung seiner moralischen Folgerungen undseines moralischen Strafgerichtes. Ich ging also auch im letztenActe ab von der herkömmlichen Mannheimer Einrichtung, welcheden Franz am Leben erhält und nur in den Thurm werfen läßt.Aus diesem Thurme hat er höchst wahrscheinlich Befreiung zu er-warten, nachdem der Majoratsherr Karl sich dem Galgen über-antwortet hat. Ich ließ ihn sich erdrosseln, wie's Schiller ge-wollt, und ließ dem Karl alle die moralischen Versöhnungsworte,