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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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verrufen war wegen literarischer Theilnahmlosigkeit, wurde jetztTag für TagDer Liebesbrief" aufgeführt, und nach jedemAbschlüsse rief das Publikum einstimmig:Tusch für NoderichBenedix! Tusch!" Und der dortigen Theatersitte geniäß mußtedas Orchester dreimal am Abende das Stück hat drei Acte Tusch blasen für den kölnischen Dichter, und das ganze Hausrief:Hoch Benedix!" Ist das was Geringes? Ganz Deutsch-land, um nicht zu sagen ganz Griechenland, ergriff Partei inder Lustspielfrage. Was hatte je die Kölner verführt zu solcherIntimität mit dramatischer Literatur! Das Alles hatte diePreisausschreibung gethan.

Das Preislustspiel" selbst aber, heißt es, verdient ja dochkaum conservirt zu werden in Betracht seines ästhetischen Werthes.

Das lasse ich dahingestellt sein. Ich gestehe sogar ein, daßdie Schauspieler vom Anfange an bis jetzt hartnäckige Gegnerdes Stückes waren und sind, indem sie die Sprache unflüssig,seuilletonartig, undramatisch nennen. Aber ich behaupte ebensohartnäckig: es muß doch ein eigener Reiz vorhanden sein, wennein Stück sich sechszehn Jahre lang immer gut besucht erhält!Und der ist auch vorhanden. Er liegt in dem herzhaften Griffenach dem Gelegenheits-Thema. Die Gelegenheit war bedeutendgenug; sie flugs zu ergreifen und zu verwerthen, brachte etwasLebensvolles mit sich, was nicht zu vermischen ist. Die Preis-ausschreibung selbst zum Gegenstände des Lustspiels zu machen,das war natürlich und praktisch, und das Natürliche und Praktischehat immer eine gewisse Dauer. Ein inhaltreiches Thema deslaufenden Tages frischweg in leidlicher Fassung auf die Bühnezu bringen, das war lange Zeit nur Sache der Franzosen.Jetzt sind wir auch darauf gekommen, undDas Preislustspiel"hat beigetragen, uns auf diesen Weg zu bringen; das istwiederum nichts Geringes.

Ich höre lachen. Warum lacht man? Weil ich mir so vielMühe gebe um diesPreislustspiel"? O, man irrt sich. DiesPreislustspiel" ist keineswegs mein Trumpf für Vertheidigungder Preisaufgaben. Ich habe einen Trumpf in xetto, denNiemand erwartet.

Der Termin nämlich für Einsendung von Preisstücken warvorüber. Seit vierzehn Tagen etwa nahm die Commission keinWerbestück mehr an. Da kam solch ein unglücklicher Nachzügler.