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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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Es ist aber eben so gefährlich, sich von blos gelehrtenSchauspielern täuschen zu lassen, als Talente zu über-sehen, bei denen die Hilfsmittel des Vortrages noch gar nichtentwickelt sind und die doch ein starkes dramatisches Leben insich bergen.

In diesem Jahre 1862 trat ein neues Mitglied in's Burg-theater, welches vielleicht durch Zufall aus dem Zauberschlaseerweckt worden war. Ich hatte ganz zufällig die Schlafendegesehen und hatte gemeint: wenn dieses Mädchen erweckt wird,so wird sie vielleicht wie eine Prinzessin sprechen.

Einige Jahre vor 1862 war ich eines Abends im Carltheater,um ein kleines Stück zu sehen, das ich nicht kannte. Da trittein Mädchen in grauem Seidenkleide auf die Scene und frappirtmich. Wer ist sie?Das scheint mir recht gleichgiltig," sagtmeine Nachbarin,denn sie spielt ja schlecht!" Ja, sag' ich,und stehe unwillkürlich auf in der Loge, als ob ich sie so bessersehen wollte und könnte aber das Mädchen hat ein Etwas!flüsterte ich vor mich hin.

Ich hatte den Eindruck vornehmer Schönheit von dem Mädchen,und daß hinter dem, was sich da zeige, eine Kraft liegen könne,irgend eine seltene Kraft. Sie sprach abscheulich mit einem fastverborgen bleibenden guten Organe. Die Töne sonderten sichnicht klar zu Worten. Aber der griechische Kopf sprach für mich.Sie war steif; aber ihre geringen Bewegungen waren edelich blieb dabei: dahinter liegt eine Kraft!Der Jnstinct sagt's,"lachte meine Nachbarin. Wohl möglich! erwiderte ich.

Die junge Dame spielte zweite, dritte Liebhaberinnen, undauf meine Nachfrage erfuhr ich, daß sie von Niemandem beachtetwerde. Ich ließ sie zu mir bitten, und sie kam. Eine langeUnterredung bestärkte mich in meinem günstigen Vorurtheile undbildete dies Vorurtheil dahin aus: sie sei für große, ernsteRollen geeignet. Das Resultat der Unterredung war, daß siein einigen solchen Rollen auf einem Provinz-Theater als Gastauftreten sollte, damit ich sie sehen könnte. So geschah's. Alssie aber zu dem Zwecke nach Brünn reiste, konnte ich durchausnicht fort von Wien und mußte einen kritischen Kunstfreund er-suchen, meine Stelle zu vertreten. Er war der Einzige, welchersich ebenfalls für sie interessirte und meine günstige Vormeinungtheilte, Rudolph Valdeck war es. Er berichtete nach seiner